Die Carl-Kraemer-Grundschule in Gesundbrunnen ist wegen massiven Schimmel- und Taubenkotbefalls teilweise gesperrt worden. Mehrere Räume im Erdgeschoss, aber auch der Computerraum, die Mensa und die Turnhalle dürfen derzeit nicht mehr betreten werden.

Angeblich haben Lehrer bereits seit Jahren auf möglichen Schimmelbefall hingewiesen. Doch erst jetzt tat sich etwas, berichtet eine Pädagogin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Im Rahmen der geplanten Schulhaussanierungen wurden in den letzten Monaten Messungen in einigen Räumen der Schule durch eine Fachfirma durchgeführt“, teilte Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) am Montag der Berliner Zeitung mit.

„Die Ergebnisse der Messungen haben ergeben, dass bestimmte Bereiche aktuell nicht genutzt werden können.“ Die Teilschließung erfolgte bereits am Freitag. Ob möglicherweise noch weitere Schadstoffe gefunden wurden, konnte Spallek zunächst nicht sagen.

Sport nur noch im Freien

Betroffen ist eine Schule im Soldiner Kiez, einer der ärmsten Gegenden Berlins. Dabei handelt es sich um eine Ganztagsschule, an der sich Unterricht und Freizeitangebote bis 16 Uhr abwechseln. Die Schüler sind hier eigentlich alle besonders lange in dem Gebäude, um besser gefördert zu werden.

Derzeit gibt es keine warme Mittagsverpflegung. Die Schüler können keine Mahlzeit in der Mensa einnehmen, weil diese gesperrt ist. „Bezüglich der warmen Mittagsverpflegung sind wir mit dem Caterer im Gespräch, um eine gute Lösung für die nächste Zeit zu finden“, teilte Schulleiterin Kirsten Sümenicht in einem Rundschreiben an die Eltern mit. Zunächst werden Lunch-Pakete verteilt.

Der Sportunterricht soll statt in der Turnhalle draußen stattfinden. „Wir bitten Sie, Ihrem Kind für den Sportunterricht witterungsangepasste Kleidung mitzugeben“, schreibt die Schulleiterin weiter. Vielleicht ist ja auch Wintersport vorgesehen, denn in den nächsten Tagen könnte es schneien. Ansonsten müssen die Schüler, weil Räumen gesperrt wurden, in dem Altbau enger zusammenrücken.

Das erschwert die Arbeit des engagierten Kollegiums, das im jüngsten Schulinspektionsbericht ausdrücklich für seine Arbeit mit den Schülern gelobt wird. Mehr als drei Viertel der Schüler kommen demnach aus Familien, die auf Sozialtransfers angewiesen sind.

Bezirk und Schulverwaltung haben die schlimmen Zustände wohl längere Zeit einfach hingenommen. Die Toilette im Erdgeschoss ist jetzt notdürftig mit Absperrband verklebt, ebenso eine Durchgangstür.

Dass der Schimmel jetzt tatsächlich festgestellt wurde, hat sich unter den 70 Lehrerinnen und Lehrern schnell herumgesprochen. Auch bei Schülern ist er ein Gesprächsthema. Einige fürchten um ihre Gesundheit. Vor dem Gebäude beginnen Handwerker schon mit ersten Arbeiten.

Dachboden schon länger gesperrt

Lehrer berichten, dass ein Kunstatelier im Keller bereits seit gut einem Jahr gesperrt ist, auch der Dachboden darf wegen des Taubenkotbefalls nicht betreten werden. Nun ist auch die Haupttreppe gesperrt. Teile des Gebäudes können nur noch über eine sogenannte tote Treppe betreten werden, berichten Lehrer, was auch brandschutztechnisch bedenklich sei. „Essen können die Kinder derzeit nur in den Klassenräumen“, heißt es.

Erneut zeigt sich hier, wie groß der Sanierungsstau der Berliner Schulgebäude ist. Der Senat will nun in den kommenden zehn Jahren 5,5 Milliarden Euro für seine Schulbauoffensive ausgeben. Dafür haben sich alle Schulen einem „Gebäude-Scan“ unterzogen. Doch immer wieder erweisen sich die Schäden als noch größer als erwartet. Unklar ist noch, wie lange das Gebäude in der Zechliner Straße nun teilweise gesperrt sein wird.