Berlin - Die Wissenschaftler hatten 941 Vollzugsbeamte der für die Bezirke Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg zuständigen Direktion 5 befragt. Das Ergebnis ist für die Polizeiführung wenig schmeichelhaft: So sind 87 Prozent der befragten Mitarbeiter der Meinung, dass ihre Leistung nicht genügend Wertschätzung erfahre. 36 Prozent der Polizisten, vor allem auf den örtlichen Abschnitten, haben den Wunsch, ihre Dienststelle zu wechseln. 15 Prozent weisen klare Anzeichen von Burn-out auf, bei 23 Prozent gibt es Anzeichen einer Depression oder Angststörung. Und 39 Prozent spielen mit dem Gedanken, vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen aus dem Beruf auszuscheiden.

Wissenschaftler raten zur Burn-Out-Prävention

An ihren Chefs üben die Befragten herbe Kritik, was die Antworten auf folgende Frage zeigen: „Auch wenn im Dienst etwas schiefläuft, kann ich mich immer auf die Rückendeckung von der Polizeibehörde verlassen.“ 741 der 941 Befragten stimmt dieser Aussage nicht zu. Lediglich 57 machten ihr Kreuz bei „stimme eher zu“, und gerade einmal vier stimmten vollständig zu. Mehr als die Hälfte der Polizisten klagte zudem über die Dienstpläne, die kaum Erholung ermöglichten.

Die Befragten waren durchschnittlich 41,5 Jahre alt und seit 21 Jahren im Dienst. Ein gutes Viertel von ihnen waren Frauen.

Die FU-Wissenschaftler geben der Polizei diverse Handlungsempfehlungen. Dazu zählen etwa ein mitarbeiterorientierter Führungsstil, bessere Ausstattung der Arbeitsplätze und ein besseres Gesundheitsmanagement. Zudem raten sie, ein Trainingsprogramm zur Prävention von Burn-out und zum Umgang mit Beschimpfungen und Beleidigungen durch Bürger zu entwickeln.

„Wir nehmen die Ergebnisse der Studie sehr ernst“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Mittwoch auf Anfrage. Man habe sofort Initiativen gestartet, um Mängel zu beseitigen. „Die Behördenleitung will diese Studie auf eine weitere Direktion ausweiten.“

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Kerstin Philipp, ist der Ansicht, dass die Polizei in Berlin auf Verschleiß gefahren werde. „Die Probleme werden in den kommenden Jahren zunehmen“, sagte sie am Mittwoch. „Wir brauchen wesentlich mehr Personal. Nicht für einen Polizeistaat, sondern um den Menschen noch eine bürgernahe Polizei gewährleisten zu können.“

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