Getränke-Lehmann wollte Flaschensammler loswerden: Geschäftsführer beurlaubt

In Sachen Durstlöschen ist Getränke-Lehmann eine der ersten Adressen in der Stadt. 5500 Artikel habe das Unternehmen laut eigenem Internetauftritt im Sortiment, alles stets lieferbar und abholbereit. So weit, so gut. Sind die Flaschen allerdings geleert, wird es für den Fachgroßhändler problematisch. Denn Getränke-Lehmann weiß nicht, wohin mit dem Leergut.

Störfaktor Flaschensammler

Im Normalfall ist es ein Kreislauf: Wer Flaschen kauft, bringt sie auch wieder zurück. Die Stammkundschaft der 14 Berliner Filialen ist berechenbar, die Flaschensammler sind ist es indes nicht. Sie schreiten nach erfolgreichem Sammeln schon mal mit 20, 30 und mehr Flaschen vor die Kasse. Doch was Flaschensammler als Leergut in die Filiale schleppen, wurde allenfalls zufällig auch bei Getränke-Lehmann gekauft. Das stellt den Betrieb vor ein logistisches Problem, für dessen Lösung die Geschäftsführung nun ebenso erstaunliche wie verstörende Kreativität entfaltete.

In einem internen Schreiben teilte der Geschäftsführer den Filialen mit, wie man mit dem Störfaktor Flaschensammler umzugehen hat: „Sogenannte Flaschensammler, die das Flaschensammeln gewerblich betreiben und eine Gutschrift wollen, müssen wie alle Wiederverkäufer Angaben über ihre Adresse, Umsatzsteuer-Nummer etc. machen und sollen sich gegebenenfalls ausweisen.“ 

Inhaber entschuldigt sich

Das Flaschensammeln sei dann ein Gewerbe, wenn es eine selbstständige, auf Dauer angelegte Tätigkeit sei, die zum Zwecke der Gewinnerzielung verfolgt werde und nicht geringfügig sei. „Hierzu ist bitte der ,Flaschensammler’ höflich zu befragen. Verweigert er die Auskunft, kann keine ordnungsgemäß Gutschrift erstellt werden.“

Während die Geschäftsführung meinte, das Problem so gelöst zu haben, meldete sich am Mittwochnachmittag Horst Lehmann als Inhaber der Horst Lehmann Getränke GmbH zu Wort: „Ich distanziere mich von dem Schreiben der Geschäftsführung. Der zuständige Geschäftsführer wurde mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Es werden weiterhin alle Pfandflaschen zurückgenommen. Es tut mir leid, dass es zu diesem Missverständnis gekommen ist.“