Michael Wüstenberg, der Direktor des Lessing-Gymnasiums in Mitte, bleibt angesichts des angekündigten Lehrerstreiks am 12. Mai gelassen. „Ich bin da ruhig, werde intern abfragen, wer zu streiken gedenkt“, sagte der Schulleiter. Dann würden notfalls andere Kollegen zur Aufsicht eingeteilt.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die angestellten Lehrer für Donnerstag in einer Woche zum Streik aufgerufen. An diesem Tag werden nämlich die zentralen Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) und zum Berufsbildungsabschluss in der ersten Fremdsprache geschrieben. Mit einem Streik an einem Prüfungstag will die GEW den Druck auf Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) erhöhen, ein verbindliches Verhandlungsangebot vorzulegen.

Die GEW fordert, dass die angestellten Lehrer ein ähnlich hohes Nettogehalt erhalten wie die verbeamteten Lehrer. Außerdem soll das Grundschullehrergehalt an das der Studienräte angeglichen werden. All das soll tarifrechtlich geregelt werden. Inzwischen gibt es in Berlin knapp 13.000 angestellte Lehrer, die andere Hälfte ist verbeamtet. Beamte, die generell nicht streiken dürfen, können notfalls bei den MSA-Klausuren die Aufsicht übernehmen. Am 12. Mai dürfte auf jeden Fall Unterricht ausfallen.

Die GEW-Spitze hatte Anfang der vergangenen Woche ein Gespräch mit dem Finanzsenator geführt und ihm dort konkrete Vorschläge unterbreitet. Kollatz-Ahnen wollte diese Vorschläge nun prüfen. Bisher hatte der Finanzsenator stets darauf verwiesen, dass die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) weitere tarifliche Sonderregelungen für die angestellten Berliner Lehrer nicht zulassen würde.

Am Dienstag nun reagierte ein Sprecher des Finanzsenators verschnupft auf das Vorpreschen der GEW: „Während der laufenden Prüfungen nun einen neuen Streiktermin zu verkünden, ist nicht hilfreich.“ Die bisherigen Aussagen des Finanzsenators seien zu vage gewesen, sagte hingegen GEW-Tarifexperte Udo Mertens.

Die schriftlichen MSA-Prüfungen in Englisch oder Französisch werden am 12. Mai an allen Sekundarschulen und Gymnasien zentral geschrieben, übrigens gemeinsam mit Brandenburg. Könnte die Klausur an einer Schule wegen fehlender Aufsicht tatsächlich nicht geschrieben werden, müsste sie mit einer anderen Aufgabenstellung nachgeschrieben werden.

Es ist bereits der dritte Streiktag in diesem Jahr, zuletzt hatten sich knapp 3500 angestellte Lehrer daran beteiligt, also etwa jeder vierte. Schon damals wollten nicht wenige Angestellte ihre Schüler bei den zeitgleich stattfindenden Präsentationsprüfungen, wo persönlicher Bezug wichtig ist, lieber nicht alleinlassen. Das könnte bei schriftlichen Prüfungen anders sein. In diesen Wochen hätte die GEW wohl keinen Tag gefunden, an dem nicht eine Prüfung stattfindet. Zahlreiche Abitur- und MSA-Prüfungen stehen an. Der Streik sei eine zusätzliche Belastung, hieß es in der Bildungsverwaltung.