Gewählt mit AfD-Hilfe? Na und – Pankows Bürgermeister kann bleiben

Selbst wenn Sören Benn Stimmen der AfD erhalten haben sollte, könnte er sein Amt behalten. Aber die Linke sollte aufhören, sich über andere zu empören.

Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn am Donnerstagabend nach der Wahl.<br>
Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn am Donnerstagabend nach der Wahl.
Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Wahlen sind frei und geheim. Das gilt auch für die Wahl Sören Benns zum Bezirksbürgermeister von Pankow am Donnerstagabend. Und dennoch wird diese Wahl in die Geschichte eingehen. Sie ist die mutmaßlich erste eines Linke-Politikers mit Stimmen der AfD. Das ist mehr als ein Tabubruch, das ist ein Dammbruch. Viele vergleichen das mit der Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten voriges Jahr. So wie Kemmerich damals müsse jetzt auch Sören Benn sein Amt niederlegen.

Doch stimmt das? Dafür lohnt ein genauer Blick. Anders als Kemmerich aus der kleinsten Fraktion durfte Amtsinhaber Benn glauben, er könnte trotz eines schlechten Wahlergebnisses ohne AfD-Stimmen wiedergewählt werden. Mit der SPD war das abgesprochen, trotzdem fehlten noch fünf Stimmen. Die hätten von der CDU und/oder der FDP kommen können, wohl kaum von den Grünen, die eine eigene Kandidatin hatten. Die Verhandlungen mit allen außer der AfD liefen seit Tagen heiß, es gab allerlei Signale. Am Ende sagte ausgerechnet die fünfköpfige AfD-Fraktion: Wir haben geschlossen Benn gewählt! Aus Trotz über ihre Rolle der Aussätzigen, und weil Sören Benn ein guter Kommunalpolitiker sei. Vielleicht wollten sie aber auch nur den Skandal.

Den zumindest hätten sie erreicht. Für die Linke, die sich stets und immer besonders laut über rechte Umtriebe empört, sind solche Aussagen Rufmord. Die Grünen, die das Szenario bereits in den Tagen zuvor gestreut haben, sagen, Benn hätte es nie auch nur darauf ankommen lassen dürfen, am Ende auf AfD-Stimmen abhängig sein zu können. Das heißt: Hätte er sich nicht ausreichender anderer Stimmen sicher sein können, hätte er nie antreten dürfen.

Das ist ein hehrer Anspruch, dem Benn nicht folgen muss. Man kann sich in der Politik nie sicher sein vor Beifall – schon gar vor dem aus der falschen Ecke. Diese Erkenntnis wiederum sollte sich die Linke dringend in ihr rotes Stammbuch schreiben. Und bei nächster Gelegenheit darin nachschlagen, wenn die Empörung über ein gemeinsames Stimmverhalten anderer mit der AfD wieder einmal groß ist.