Ein siebzig Quadratmeter großer Cyber-Bunker, der rund um die Uhr mit hochmodernen Videokameras überwacht wird, dazu Scheiben aus schusssicherem Panzerglas: Das ist die neue Polizeiwache mitten auf dem Alexanderplatz. Nach monatelanger Planungs- und Bauphase ist das neue Polizeigebäude fast fertig, offizielle Eröffnung ist am 15. Dezember.

In den vergangenen Jahren hat sich der Alexanderplatz zu einem kriminellen Hotspot entwickelt. Schlägereien, Raubüberfälle und sexuelle Übergriffe sind an der Tagesordnung. Allein in Zusammenhang mit Drogen ermittelte die Polizei von Januar bis Oktober dieses Jahres in 425 Fällen. Zudem zählten die Ermittler im selben Zeitraum 36 Delikte wie Vergewaltigung und schwere sexuelle Nötigung sowie 582 Fälle von Körperverletzung. Insgesamt registriert die Polizei am Alex mittlerweile 18 Straftaten pro Tag.

24 Stunden am Tag, 365 Tage

Erst in der Nacht zu Mittwoch hatten zwei Männer am Alex einen 29-Jährigen angegriffen, mit den Fäusten und der Gehhilfe eines Unbeteiligten auf den Mann eingeprügelt. Der 29-Jährige erlitt Gesichts- und Kopfverletzungen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Szenen wie diese sollen dank der neuen Alex-Wache nun endlich der Vergangenheit angehören.

„In der neuen Polizeiwache werden insgesamt 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt Mitte und Beamtinnen und Beamte der Landes- und Bundespolizei gemeinsam für mehr Sicherheit sorgen“, heißt es bei der Senatsinnenverwaltung. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte zudem, die Alex-Wache solle „die zentrale Anlaufstelle für alle Berlinerinnen und Berliner und Touristen auf dem Alexanderplatz werden.“ Und das 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Vandalismusgeschützte Videokameras

Die 20 Polizisten werden hier im Drei-Schichten-Betrieb rund um die Uhr Dienst schieben und für die 300.000 Menschen da sein, die täglich den Alex überqueren. Der neue Sicherheitscontainer steht völlig frei, ist nicht umzäunt. Deshalb wurden vandalismusgeschützte Videokameras installiert, die das „Objekt vor Beschädigung durch Dritte schützen sollen“, heißt es bei der Senatsverwaltung weiter. Die großzügigen Fenster, die ein für ein Polizeigebäude recht freundliches Ambiente vermitteln, sind nach Informationen dieser Zeitung zudem aus speziell angefertigtem, schusssicherem Glas.

So sollen sowohl die Polizisten als auch Bürger im Gebäude in möglichen Extremsituationen geschützt werden. Ein Schnäppchen ist die neue Sicherheit in Berlins Mitte aber nicht: 99.000 Euro kostete die Alex-Wache bisher. Umgerechnet sind das rund 14.000 Euro pro Quadratmeter. 396.000 Euro hat allein der Bau des Spezialcontainers aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen gekostet. 297.000 Euro wurden für Erschließung und Außenanlagen ausgegeben. 198.000 Euro stellten Fachplaner und Sachverständige in Rechnung. Und 99.000 Euro kostete schließlich der Transport des von einer Spezialfirma in Rheinland Pfalz konstruierten Containers.

„Gemeinsam Sicherheit schaffen“

Laut der für den Bau zuständigen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) war aufgrund der „besonders empfindlichen Bodenplatten auf dem Alexanderplatz besondere Vorsicht geboten“. In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz sei der Anfahrtsweg des Krans, der den Container Anfang November an seinen endgültigen Platz gehievt hatte, auf dem Platz mit speziellen Schutzflächen ausgelegt worden, um eine Beschädigung der Platten zu vermeiden.

Doch das Geld, sind sich Politiker und Polizeivertreter einig, ist gut investiert. „Wir wollen hier gemeinsam Sicherheit für die Menschen schaffen. Es ist ein Baustein, um aus dem Alex wieder einen schönen und für alle attraktiven Platz zu machen“, sagt Stephan von Dassel (Grüne), Bezirksbürgermeister von Mitte. Auch Polizeipräsident Klaus Kandt ist sich sicher, dass die Alex-Wache „ein Meilenstein zur Verbesserung der Sicherheitslage am Alex sein wird.“