Im Bereich des Alexanderplatzes vergeht kaum eine Nacht ohne Gewalt. Ein Mann, der einer Frau zu Hilfe kommen wollte, ist am Mittwochmorgen verprügelt worden. Zeugen zufolge hatten fünf Männer die Frau gegen 1.50 Uhr an den Wasserspielen am Fernsehturm bedrängt.

Das bemerkte der 23-Jährige und wollte der Frau helfen. Sofort habe man ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihn mit Fäusten zu Boden geschlagen, sagte der Mann später gegenüber der Polizei aus. Noch am Boden liegend sei er aus der Gruppe heraus mehrfach getreten worden.

Die Schläger flüchteten unerkannt. Sanitäter der Feuerwehr behandelten den Leichtverletzten vor Ort. Die Polizei nahm von Zeugen und dem Opfer eine Personenbeschreibung der Täter auf. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatten die Schläger einen „nordafrikanischen Phänotyp“.

Im Bereich des Alexanderplatzes kommt es immer wieder zu Schlägereien. Nach Angaben von Beamten aus der örtlichen Polizeidirektion hat sich der Alex als zentraler Punkt in der Stadt in den vergangenen Sommermonaten zu einem beliebten Aufenthaltsort von Einwanderern und Flüchtlingen entwickelt. Immer wieder geraten hier Gruppen aus unterschiedlichen Ländern aneinander.

Bei Schlägereien dieser Art spielen Alkohol und Langeweile oft eine Rolle

In der Nacht zum Sonnabend hatte es eine Schlägerei gegeben, an der rund 30 Personen beteiligt waren. Eine Gruppe Afghanen war mit einer Gruppe Syrer und Libyer aneinandergeraten. Mehrere Afghanen erlitten Stichverletzungen. Die Polizei nahm vier Syrer fest. Gegen einen von ihnen wurde inzwischen Haftbefehl erlassen.

Am Sonntag dann das „Rückspiel“: Dieses Mal rächten sich die Afghanen für die erlittene Niederlage am Vortag. Wieder gerieten etwa 30 Personen aneinander. Die Polizei nahm acht Tatverdächtige im Alter zwischen 15 und 25 Jahren fest. Sie kamen nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung wieder auf freien Fuß.

„Bei Schlägereien dieser Art spielen Alkohol und Langeweile oft eine Rolle, es geht meistens um Frauen oder um verletzte Ehre“, sagt ein Ermittler. Der Alexanderplatz sei inzwischen ein fester Bezugspunkt für Einwanderer aus arabischen und nordafrikanischen Ländern sowie Afghanistan geworden. Dass sich die Situation im Herbst und im Winter bessern wird, glauben die Polizisten nicht.

Als Reaktion auf die ausufernde Kriminalität hat das Land Berlin damit begonnen, am Alexanderplatz eine Polizeiwache zu bauen. Sie soll ab Dezember rund um die Uhr mit drei Beamten besetzt sein.

Initiative will mehr Kameras

Auch will die Polizei auf dem Alexanderplatz verstärkt Videokameras einsetzen – allerdings nicht stationär und dauerhaft sondern mobil und anlassbezogen. Dort sammelten am Mittwochvormittag Vertreter einer Initiative für mehr Videoüberwachung die ersten Unterschriften.

Unter ihnen waren der frühere Bürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), und Sabine Schumann, Vize-Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Schumann zeigte sich zuversichtlich, dass die 20.000 benötigten Unterschriften für die erste Stufe des Volksbegehrens in den vorgegebenen sechs Monaten zusammenkommen.

Für die zweite Stufe des Volksbegehrens wären 170.000 Unterschriften nötig. Die dritte Stufe wäre eine Volksabstimmung. Das parteiübergreifende Bündnis um Buschkowsky und den früheren Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), das auch von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) unterstützt wird, will 50 Orte mit viel Kriminalität durch Kameras der Polizei rund um die Uhr überwachen lassen. Der Senat lehnt das ab und setzt auf einzelne Kameras an wenigen Orten zu bestimmten Anlässen.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte riet davon ab, das Volksbegehren zu unterstützen. Videoüberwachung mache die Stadt nicht sicherer, weil sich die meisten Gewalttäter von Kameras nicht abhalten ließen, sagt Maja Smoltczyk. Zudem würden auch harmlose Bürger an diesen Orten ständig gefilmt und unter Generalverdacht gestellt.

Die Aufnahmen könnten zudem länger als nötig gespeichert werden. Verfassungsrechtlich sei eine solche Speicherung höchst bedenklich. „Je mehr Daten erhoben und je länger sie gespeichert werden, desto mehr steigt auch die Gefahr des Missbrauchs.“ (mit dpa)