Es geschah am vergangenen Sonntag in aller Frühe, kurz vor fünf Uhr. Jennifer Weist, markant tätowierte Frontfrau und Sängerin der Band Jennifer Rostock, war mit ihrem Begleiter nach einer Party mit Freunden im Kulturhaus Astra auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain auf dem Heimweg.

Auf ihrer Facebook-Seite schrieb die Sängerin am Montagabend, was dann passierte: „Zwei kleine Jungs versuchten, meine Brieftasche aus meiner Gürteltasche zu klauen. Ich bemerkte es vorher, meine Begleitung schubste ihn weg und in dieser Bewegung riss einer der beiden meiner Begleitung seine Kette vom Hals. Als dieser sie wieder holen wollte, kamen noch drei andere Typen von der anderen Straßenseite und alles ging ziemlich schnell. Ich hab nach Hilfe gerufen, zwei Typen versuchten uns noch zu helfen, aber es war zu spät. Einer von ihnen zog ein Messer und verletzte meine Begleitung schwer am Hals. Alle Arterien waren schon freigelegt, es fehlten nur ein paar Millimeter und er wäre direkt auf der Straße in meinen Armen gestorben. Mir ist Gott sei Dank nichts passiert.“

Die Sängerin warnt die Clubbesucher eindringlich: „Seid vorsichtig auf dem RAW-Gelände! Geht dort am besten, wenn es dunkel ist, nicht alleine lang. Diese Leute sind wahnsinnig gefährlich und schrecken nicht davor zurück, für eine beschissene Kette zu töten!!! Ich bin fassungslos…“ Weists Nachricht verbreitete sich rasant im Internet und wurde fast 50 000 Mal geteilt. Fans reagierten voller Mitgefühl, manche berichteten von ähnlichen Erlebnissen auf und um das Gelände.

Die Polizei bestätigt den Vorfall auf Nachfrage der Berliner Zeitung. Zu der Attacke soll es in der Nacht zu Sonntag um 4.45 Uhr gekommen sein. Zwei Unbekannte hätten die beiden auf dem RAW-Gelände „angetanzt“, das ist eine Masche, um Besuchern näher zu kommen und ihnen Geld zu stehlen. Zur Tätergruppe gehörten fünf Personen. Einer von ihnen, so die Polizei, griff den jungen Mann mit einem Messer an. Der Begleiter der Sängerin wurde schwer verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Nach der Attacke suchten Polizeibeamte mit der Sängerin die Straßen vergeblich nach den Tätern ab.

Nur wenige Stunden vor diesem Vorfall hatte es dort schon einmal eine Attacke gegeben. Taschendiebe hatten versucht, einem holländischen Touristen das Portemonnaie zu stehlen, sein Freund versuchte, den Dieb festzuhalten. Einer der Täter rief Verstärkung, 15 Personen schlugen und traten dann auf die am Boden liegenden beiden 19-Jährigen ein. Die Täter flüchteten mit dem Portemonnaie. Die beiden Holländer mussten ins Krankenhaus.

Das RAW-Gelände mit seinen Clubs und Bars gehört zu den am meisten besuchten Party-Orten der Stadt. Die Polizei stuft das Gebiet als „Amüsiermeile mit überregionaler Bedeutung“ und als gefährlichen Ort ein, seit Längerem gibt es dort Drogendealer und Taschendiebe. Neuerdings sind immer mehr minderjährige Diebe unterwegs, sie gehören offenbar zu einer gut organisierten Bande.

Henkel: „Unfassbare Brutalität“

Die Polizei versicherte am Dienstag „Wir kontrollieren verstärkt, auch mit Sondereinsätzen, diesen Bereich.“ Die Beamten veröffentlichten auch Sicherheits-Tipps für Nachtschwärmer. So sollte man Sachen, die Diebe klauen wollten, im Zweifel lieber freiwillig rausgeben, denn kein Gegenstand könne so wertvoll sein wie die eigene Gesundheit. Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte der Berliner Zeitung, es sei entsetzlich, dass eine Partynacht so geendet habe. „Diese Brutalität, mit der hier vorgegangen wurde, ist unfassbar. Wir werden das RAW-Gelände weiter sehr intensiv im Blick behalten müssen.“

Jennifer Weist reagierte am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite auf rassistische Kommentare, die sofort Ausländer als Täter vermuteten: „Eigentlich leben wir hier, weil Berlin ein Ort der Freiheit und Toleranz ist. Wir wollen, dass die Täter gefasst werden, aber wir wollen hier auch weiterhin eine gute Zeit haben können.“