„Tagsüber auf dem Karneval der Kulturen – und abends im Krankenhaus?“ Das fragt Nasser El-Ahmad in der Nacht zum Pfingstmontag auf Facebook die Gemeinde und erhebt zugleich den Vorwurf, von seiner Familie bei einer zufälligen Begegnung auf dem Fest angegriffen worden zu sein. Angeblich wurde er beschimpft, verfolgt und geschlagen. Wütend berichtet er über seine „Drecksfamilie“ und schreibt „Ich muss mich echt schämen, den Namen El-Ahmad zu tragen“.

Nasser El-Ahmad wurde von seiner Familie wegen seiner Homosexualität misshandelt, entführt und beinahe getötet. Nachdem er sich an das Neuköllner Jugendamt gewandt hatte, wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen. Bekannt war der 18-Jährige durch eine Pressekonferenz geworden, die er im Februar 2015 im Büro der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Monika Herrmann (Grüne) gab.

Direkt wieder aus dem Krankenhaus entlassen

Dabei schilderte er die geplante Zwangsheirat und, wie seine Eltern, Onkel und Tanten ihn gequält hätten seit er 15 Jahre alt war. Im März wurde der Fall vor Gericht verhandelt. Der Vater und zwei Onkel erhielten Strafbefehle über 90 Tagessätze a 15 Euro; insgesamt also 1350 Euro.

Ob Nasser El-Ahmad wegen der neuerlichen Übergriffe indes Anzeige erstattete, ist nicht bekannt. In einem zweiten Facebook-Post bedankt er sich für die vielen Genesungswünsche und berichtet, direkt nach dem Durchchecken das Krankenhaus wieder verlassen zu haben. "Es ist nichts dramatisches, um die Missverständnisse aufzuklären", so Nasser. (BLZ)