Ein Mann wirft einen Brandsatz auf einen Streifenwagen. Ein auf frischer Tat ertappter Fahrraddieb sticht einen Polizisten nieder. Ein Schläger bricht einem Beamten die Nase. Diese Vorfälle aus dem Monat Oktober erwecken den Eindruck, dass Polizisten in Berlin ständigen Gefahren ausgesetzt sind. Dass sie tatsächlich häufig im Dienst verletzt werden, belegen unveröffentlichte Zahlen des Senats, die der Berliner Zeitung vorliegen. Demnach erlitten im vorigen Jahr 2581 Polizisten und 426 Feuerwehrleute Verletzungen.

„Immer mehr Verletzte und erschütternde Gewaltvorfälle“

Die Kosten der Heilbehandlung und der Unfallentschädigungen für die Betroffenen gehen in die Millionen. Die Dienstbehörden mussten im vergangenen Jahr 1,65 Millionen Euro für Polizisten und fast 248.000 Euro für Feuerwehrleute aufbringen. Hinzu kam eine Summe von fast 170.000 Euro, die der Unfallkasse Berlin für verletzte Polizeiangestellte entstand. Die Gesamtkosten lagen demnach bei über zwei Millionen Euro.

„Die Angaben zeigen nachdrücklich, dass die Einsatzkräfte gefahrengeneigten Tätigkeiten nachgehen“, sagt Peter Trapp (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus. Er hat die Zahlen im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage bei der Innenverwaltung in Erfahrung gebracht. „Ich beobachte über die Jahre, dass es immer mehr Verletzte und erschütternde Gewaltvorfälle gibt, während der Respekt gegenüber der Polizei in Teilen der Bevölkerung sinkt“, sagt Trapp. Im Vergleich der Jahre 2016 und 2017 stieg die Zahl der verletzten Polizisten um 30 und die Zahl der verletzten Feuerwehrleute um 46 Betroffene.

Für die Gesamtbewertung mache es keinen Unterschied, so Trapp, dass in die Statistik neben gezielten Angriffen auf Einsatzkräfte auch gewöhnliche Dienstunfälle eingerechnet werden. „Denn der Polizist, der sich bei der Verfolgung eines Straftäters verletzt, hält für die Sicherheit der Bürger genauso seine Knochen hin wie der Attackierte“, sagt Trapp. Entscheidend sei, dass die Familien von Polizisten immer damit rechnen müssten, dass ihr Angehöriger nicht heil vom Dienst nach Hause komme. Und jeder verletzungsbedingte Ausfall eines Polizisten verschlechtere die Sicherheitslage in der Stadt.

Mehr Wertschätzung für Einsatzkräfte

Um die Einsatzkräfte besser zu schützen, wurde das Strafgesetz bereits im vergangenen Jahr verschärft. Paragraf 113 sieht für Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte nun eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Ein tätlicher Angriff auf Amtsträger kann durch Paragraf 114 mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Trapp begrüßt die Neuregelung, fordert aber vor allem mehr Prävention – verbunden mit einer Kampfansage an ablehnende Einstellungen gegenüber der Polizei.

„Im Bereich der Sportgerichte gibt es die Möglichkeit, jugendliche Übeltäter zu Wochenendseminaren zu schicken, wo sie sportliche Fairness lernen“, sagt Trapp. Auch Jugendrichter hätten die Freiheit, vergleichbare Maßnahmen gegen Täter zu verhängen, die Polizisten aus Respektlosigkeit angreifen. Insgesamt, so Trapp, müssten Einsatzkräfte wieder mehr Wertschätzung erfahren.