Berlin - Rund 3500 Polizistinnen und Polizisten aus insgesamt neun Bundesländern. 76 Festnahmen. 46 verletzte Einsatzkräfte - zwei davon so ernsthaft, dass sie ihren Dienst beenden mussten. Das ist die - unvollständige - Bilanz von drei Tagen Auseinandersetzungen um die Räumung des Wagencamps an der Köpenicker Straße in Mitte. Unvollständig deshalb, weil die Zahl der verletzten Demonstranten fehlt.

Aber was soll man sagen zu so viel Aggressivität und Gewaltbereitschaft? Dasselbe oder zumindest etwas sehr Ähnliches wie Innensenator Andreas Geisel am Sonnabend: „Was wir erlebt haben, ist keine politische Haltung, sondern blinde Zerstörungswut. Es ist destruktiv und löst kein einziges Problem. Der Staat wird Gewaltandrohungen nicht weichen. Rechtsstaatlichkeit ist ein hohes Gut und muss sich immer durchsetzen.“

Oder die designierte Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey: „Was da passiert, wenn es um rechtmäßige Räumung von Orten geht, dass Menschen der Meinung sind, mit massiver Gewalt gegen Polizeikräfte ihren Willen durchzusetzen, das ist nicht in Ordnung.“ 

Oder die designierte Bürgermeisterin Bettina Jarasch: „Diese willkürliche Zerstörungswut und die Aggression gegen die Polizei sind nicht akzeptabel. Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein.“

Das ist alles richtig - dennoch lohnt auch hier ein zweiter Blick. An der Köpenicker Straße wurde ein Stück Berlin geräumt. Eines, wie es in allen Reiseführern gefeiert wird, als international und attraktiv. Davon gibt es immer weniger, der Verdrängungsdruck nimmt vor allem in der Innenstadt weiter zu.

Doch wie immer gilt: Diese Entwicklung kann - wenn überhaupt - nur politisch gelöst werden. Insgesamt eine dringende Aufgabe für Geisel, Giffey, Jarasch und Co., die sich gerade daranmachen, gemeinsam eine neue Regierung zu bilden.