Kräfte aus anderen Bundesländern – im Bild: Polizisten aus Bayern – unterstützten die Berliner Polizei zum Beispiel auch am 1. Mai. 
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BerlinMehrere Corona-Proteste sind für diesen Sonnabend angekündigt, der rechtsextreme Dritte Weg will demonstrieren, und dann wären da noch die zahlreichen Feiern und Reden zum Tag der deutschen Einheit. Ein große Belastung für die Berliner Polizei. Doch: Ausgerechnet für den symbolträchtigen 3. Oktober fehlt Personal, warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Berlin habe 1800 Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern angefragt, aber nur 600 Kräfte erhalten, teilte die GdP am Freitag mit. Nur Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Nordrhein-Westfalen sowie die Bundespolizei hätten Polizisten entsendet. Um die Lücken aufzufüllen, habe die Berliner Polizei alle 21 Einsatzeinheiten in den Dienst berufen. Dennoch fehlen laut Rechnung der GdP rund 1400 Einsatzkräfte: „Gerade einmal rund 2600 Kolleginnen und Kollegen anstatt der angepeilten mehr als 4000“ seien am Sonnabend auf der Straße.

„Die Bedeutung der Hauptstadt wird gravierend unterschätzt, und wir sind, ehrlich gesagt, entsetzt über diese Sorglosigkeit“, erklärte GdP-Landesvize Stephan Kelm. Ende August war die Berliner Polizei zum Teil scharf kritisiert worden, weil am Rande einer großen Corona-Demonstration der süddeutschen Gruppe „Querdenken“ mehrere Demo-Teilnehmer mit Reichsflaggen auf die Stufen des Reichstags gelaufen waren. Einige wenige Polizisten hatten damals zunächst auf den Stufen die Stellung gehalten und die Türen zum Parlament freigehalten. Mitglieder der Berliner Linke-Fraktion hatten die Strategie der Polizei ebenso als fehlerhaft kritisiert wie der ehemalige Leitende Polizeidirektor Michael Knape.

„Wir werden vermutlich nicht alle unschönen Bilder vermeiden können“

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, kann solche Szenen für diesen Sonnabend nicht ausschließen: „Wir werden vermutlich nicht alle unschönen Bilder vermeiden können“, sagte er der Berliner Zeitung am Freitag. Die Berliner Polizei werde priorisieren müssen. Warum so viele Bundesländer keine Unterstützung in die Hauptstadt schickten, wisse er nicht. „Es kann diverse Gründe für eine Absage geben.“ Die Gewerkschaft wolle die Entwicklung eng im Blick behalten. „Vielleicht braucht es hier dann ein Machtwort des Bundes.“

Die Berliner Polizei teilte auf Nachfrage am Freitag mit, dass am Sonnabend rund 2700 Einsatzkräfte die Versammlungen in Berlin begleiteten, darunter auch sieben Einheiten aus anderen Bundesländern beziehungsweise der Bundespolizei. Gerade an einem bundesweiten Feiertag wie dem 3. Oktober gebe es auch in anderen Ländern „parallele Lagen“ – auch in Potsdam und anderen Landeshauptstädten fänden zum Beispiel Wiedervereinigungsfeiern statt. Die Zahl der Polizisten reiche aus: „Der Kräfteansatz orientiert sich an den Erfordernissen zur Bewältigung der Einsatzlage.“

In keiner deutschen Stadt finden so viele Demonstrationen statt wie in Berlin, für die Polizei hier ist das eine Dauerbelastung. Die GdP kritisiert, dass ohnehin Personal fehlt und sich die Überstunden inzwischen auftürmen: Bei rund 26.000 Mitarbeitern gebe es inzwischen 1,4 Millionen Überstunden in der Berliner Polizei, die es eigentlich abzubummeln gelte. Nicht mitgerechnet in der Statistik: die Überstunden, die Polizisten sich auszahlen lassen.