Nichts geht mehr: Der bislang letzte Warnstreik liegt nicht lange zurück. Er legte am 1. April 2019 Berlin lahm.
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BerlinKeine Busse, keine Straßenbahnen, keine U-Bahnen: Wie angekündigt werden an diesem Dienstag die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestreikt. Von 3 bis 12 Uhr soll sich kein Rad drehen, bekräftigte die Gewerkschaft Verdi. Zwar bleibt die S-Bahn in Betrieb, weil sie von dem Tarifstreit nicht betroffen ist. Dort soll der Verkehr sogar verstärkt werden.

„Trotzdem wird es für viele Fahrgäste ein haariger Tag, weil die S-Bahnen spürbar voller als sonst sein werden“, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb. Dabei seien Überfüllungen das Letzte, was derzeit toleriert werde, hieß es bei der BVG. „Wir haben Corona! Dieser Warnstreik kommt zum völlig falschen Zeitpunkt“, sagt Petra Nelken, Sprecherin des Landesunternehmens. Doch die Gewerkschaft schließt nicht aus, dass es demnächst zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen kommt.

„Die Bereitschaft ist hoch, weiter Druck auszuüben“, sagte Verdi-Sekretär Jeremy Arndt am Montag der Berliner Zeitung. „Damit muss man rechnen.“ Der Warnstreik an diesem Dienstag wird in ganz Deutschland Nahverkehrsbetriebe lahmlegen – es geht um einen bundesweiten Streit um bessere Arbeitsbedingungen. Der Betrieb wird gestoppt, weil die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände Verhandlungen abgelehnt hat. Doch auch auf der Berliner Landesebene köchelt eine Tarifauseinandersetzung, die Fahrgäste zu spüren bekommen könnten.

Wie berichtet will Verdi erreichen, dass alle knapp 15.000 BVG-Beschäftigten 36,5 Stunden pro Woche arbeiten. Für viele Mitarbeiter würde das eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich bedeuten. Außerdem verlangt die Gewerkschaft für ihre Mitglieder in der BVG einen „Mitgliedervorteil“ von 500 Euro Urlaubsgeld pro Jahr. Am 13. Oktober sollen die Gespräche mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband weitergehen.

Für den jetzigen Warnstreik rechnet Arndt mit einer hohen Beteiligungsquote. „Wir erwarten, dass rund 4000 Kolleginnen und Kollegen von 3 Uhr an die Arbeit niederlegen“, sagte er. Während andere Betriebe 24 Stunden lang bestreikt werden, soll die Arbeitsniederlegung bei der BVG gegen 12 Uhr enden. „Im Interesse der Fahrgäste haben wir so entschieden“, sagte Arndt. „Sie sollen nach der Arbeit reibungslos nach Hause kommen.“ In der BVG hieß es, dass es bei Verdi Berlin Stimmen gegeben habe, die sich gegen die Teilnahme am bundesweiten Warnstreik ausgesprochen hätten.

Folgende Buslinien fahren ohne Einschränkung

Allerdings dauere es erfahrungsgemäß hinterher zwei bis drei Stunden, bis der Verkehr wieder anläuft, sagte BVG-Sprecherin Nelken. Immerhin: Buslinien, die von privaten Subunternehmen befahren werden, bleiben in Betrieb. Folgende Strecken werden ohne Einschränkungen bedient: 106, 112, 140, 161, 163, 168, 175, 179, 184, 234, 275, 284, 334, 341, 349, 363, 369, 370, 371, 380, 399, 740, 744, N12, N23, N34, N35, N39, N40, N52, N53, N56, N58, N60, N61, N62, N67, N68, N69, N77, N84, N88, N90, N91, N95 und N97. Auf diesen Buslinien gibt es Einschränkungen: 218, 283, 395 und 398.

„Dennoch wird die S-Bahn auf jeden Fall die wichtigste Alternative sein“, so Jens Wieseke. Dort sollen die Verstärkerzüge, die auf der S1 zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz sowie auf der S5 zwischen Mahlsdorf und Ostbahnhof morgens das Angebot ergänzen, bis zum Mittag weiterfahren. Vorgesehen ist auch, die drei Reservezüge, die für den Fall von Störungen im Netz stationiert sind, zur Fahrgastbeförderung einzusetzen.

„Dennoch wird es viele Stadtgebiete geben, die nicht mit dem Nahverkehr erreichbar sein werden“, kritisierte er. Bereiche wie Müggelheim oder das Falkenhagener Feld in Spandau seien nun mal nur mit BVG-Bussen angeschlossen. Der Fahrgastverband bemängelte, dass es weiterhin keine Notfahrpläne gebe, die dort und anderswo zumindest ein Minimalangebot garantieren.

„Ein Warnstreik ist ein legitimes Mittel der Auseinandersetzung“, sagte Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB, der selbst Verdi angehört. „Von 8 bis 12 Uhr hätte beim ersten Mal auch gereicht.“

„In Zeiten von Corona wäre es gut, vermeiden zu können, dass Bahnen überfüllt werden. Aber der Warnstreik macht darauf aufmerksam, dass wir für den Ausbau des Nahverkehrs natürlich ausreichend und motiviertes Personal brauchen“, sagte Kristian Ronneburg (Linke). „Das gibt es nicht zum Nulltarif.“