Noch vor drei Jahren feierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) das 50-jährige Bestehen seines Berliner Domizils – jetzt steht fest, dass das Haus in der Schöneberger Keithstraße seinen 55. Geburtstag nicht erleben wird. Im nächsten Jahr soll es abgerissen werden. „Wir wollen auf unserer eigenen Liegenschaft ein neues Gewerkschaftshaus bauen“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell am Mittwoch.

Nach einem Entwurf des Architekturbüros Ortner + Ortner soll auf dem 3600 Quadratmeter großen Grundstück an der Keith-/Ecke Kleiststraße ein Komplex mit einem 52 Meter hohen Büroturm entstehen. Damit strebt der DGB weiter nach oben als bisher. Sein jetziges Haus misst lediglich rund 33 Meter.

Bundeszentrale zieht um

Notwendig werde der Neubau, weil sich das 1964 eröffnete bisherige Domizil nicht mehr zu vertretbaren Kosten modernisieren lasse, sagte Körzell. In dem neuen Komplex sollen nicht nur die rund 120 Beschäftigten des DGB Berlin-Brandenburg aus dem alten Gewerkschaftshaus arbeiten. Dort sollen auch die etwa 200 Mitarbeiter des DGB-Bundesvorstands einziehen. Sie residieren zurzeit noch in angemieteten Büros am Hackeschen Markt – zu Kosten von mehr als 20 Euro pro Quadratmeter, wie Körzell sagte.

Der Neubau in der City West soll 70 bis 80 Millionen Euro kosten. Nach der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die im Jahr 2004 einen 74 Millionen Euro teuren Neubau in der Nähe des Ostbahnhofs bezog, ist dies das zweite große Investitionsprojekt der Gewerkschaften. Verdi hatte vor dem Einzug in seinen eigenen Neubau in einem teuren Bürohaus am Potsdamer Platz residiert.

Der Abriss des jetzigen DGB-Domizils ist für Frühjahr 2018 geplant. Im Sommer nächsten Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen. Ziel sei, das neue Haus im Jahr 2020 fertigzustellen, so Stefan Körzell.

Das Architekturbüro Ortner + Ortner hat sich mit seinem Entwurf für das neue DGB-Haus in einem Wettbewerb gegen vier weitere Bewerber durchgesetzt. Das preisgekrönte Konzept sieht vor, dass neben dem Ensemble aus drei Gebäudeteilen ein „Pocket-Park“ mit etwa 500 Quadratmetern im rückwärtigen Teil des Areals entsteht. Er soll der Platz für die kleinen Pausen zwischendurch werden.

Als vorbildlicher Arbeitgeber präsentieren

Das Hochhaus orientiere sich an der Höhe des benachbarten denkmalgeschützten Dorlandhauses, sagte Architekt Florian Matzker. Die flacheren Gebäude zur Kleiststraße und zur Keithstraße nehmen dagegen die Höhe der dortigen Nachbarhäuser auf. Die Fassade des Neubaus soll als Beton-Glas-Konstruktion mit großen Fenstern gestaltet werden.

Während große Firmen ihre Mitarbeiter immer häufiger in flächen- und kostensparenden Großraumbüros unterbringen, setzt der DGB auf ein anderes Modell. Im Inneren sei das Haus zwar noch nicht endgültig geplant, doch sollen dort einzelne Büro-Einheiten entstehen, sagte Körzell. Die Beschäftigten müssten „in höchster Konzentration“ arbeiten. Wenn mehrere Leute in einem Büro säßen, führe das seiner Auffassung nach nicht zu dem Ergebnis, das man erreichen wolle. Der DGB will sich überhaupt als vorbildlicher Arbeitgeber präsentieren. So ist neben Kommunikationsflächen eine Cafeteria geplant. Sie soll auch öffentlich zugänglich sein. Außerdem sind in den Erdgeschossen Läden vorgesehen, damit die Straße belebt wird.

Mieter kehren zurück

Die bisherigen Mieter sollen alle einen Platz im neuen Haus bekommen, darunter die Büchergilde Gutenberg. Für die Zeit vom Abriss bis zur Fertigstellung ziehen die jetzigen Mieter in Übergangsquartiere, die vom DGB finanziert werden. Während die Beschäftigten des DGB zum Kapweg am Kurt-Schumacher-Platz in Wedding umziehen, bleibt die Büchergilde Gutenberg aber in der Nähe des jetzigen Standortes. Sie mietet vorübergehend Räume in der Schöneberger Welserstraße an.

DGB-Mann Körzell sagte, selbstverständlich sei, dass die Bauarbeiter auf der DGB-Baustelle ordentlich bezahlt werden. Es sei gar keine Frage, dass man nur mit solchen Firmen baue, die die Tarifbedingungen einhielten. Von den Architekten gab es für das ambitionierte Projekt gehörig Vorschusslorbeeren. Markus Penell, Geschäftsführer von Ortner + Ortner, sagte: „Man spürt aus der Ausschreibung das hohe Verantwortungsbewusstsein.“