Berlin - Als der Lockdown bekannt gegeben wurde, stand ich gerade im Incognito in Schöneberg auf der Bühne – und musste meine Show vorzeitig beenden. Schon in diesem Moment wurde mir klar: Das dürfte es jetzt für die nächsten zwei oder zweieinhalb Jahre gewesen sein. Bevor ich nämlich beruflich zum Lippenstift griff, saß ich am Schreibtisch, in Vorlesungen oder im Labor. Arbeitete mich durch ein paar Semester Biotechnologie. Mit diesem Wissen war mir bewusst: Als Gesellschaft werden wir jetzt und in der nächsten Zeit viel lernen und umdenken, Gewohnheiten ändern oder Verzicht üben müssen. Aber die Dinge sind, wie sie sind.

Es ist kein Geheimnis: Auch mein ursprünglich voller Terminkalender ist in der Corona-Zeit einem übersichtlicheren Plan gewichen, in dem selbst die übrig gebliebenen Termine auf der Kippe stehen. Ich plane dennoch – immer mit einer Frage im Hinterkopf: Kann es sein, dass das Event am Ende gar nicht stattfinden kann? Wenn dann mal wieder etwas wegfällt, versuche ich, optimistisch zu bleiben. Obwohl ich auch genau weiß: Der 50. Geburtstag, für den ich gebucht war, wird sicher nicht mit 18 Monaten Verspätung nachgefeiert. Und die Vorweihnachtszeit, in der naturgemäß viele Auftritte anstehen, wird sich auch 2022 nicht auf vier Monate ausdehnen lassen. Ich blicke trotzdem mit Zweckoptimismus in die Zukunft. Denn die Frage, ob ich in der Krise gewonnen oder verloren habe, lässt sich nicht wirklich klar beantworten. Wirtschaftlich habe ich verloren. Aber wenn es um Kreativität und das Entwickeln neuer Formate geht, habe ich gewonnen.

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