Mit gezogenen Dienstwaffen fordern zwei Polizisten in der Berliner U-Bahn jemanden auf, sich auf den Boden zu legen. Das Video, das derzeit bei TikTok verbreitet wird, suggeriert, dass die Polizisten mit vorgehaltener Waffe einen Maskenverweigerer aus der U-Bahn holen würden. „Wenn man keine Maske an hat“, steht auf dem Video. Mit gezogenen Pistolen gehen die Polizisten in den U-Bahn-Wagen und rufen immer wieder: „Runter!“

Allerdings zeigt das nur wenige Sekunden lange Video nicht, was vorher passierte. Dazu nimmt jetzt die Berliner Polizei auf Facebook Stellung.

Demnach entstand der Film bereits am Abend des 1. Februar. Laut Polizei stieg ein 26-Jähriger am Bahnhof Krumme Lanke in den ersten Wagen eines Zuges der U3. Zeugen zufolge zog er sich beinahe nackt aus und belästigte Fahrgäste. Die Zugführerin forderte ihn per Lautsprecher auf, den Zug zu verlassen und informierte den Sicherheitsdienst.

Fahrerin rief die Polizei

Sie habe gesehen, wie der Mann einen Fahrgast gegen ihre Fahrerkabine drängte und ihn mit irgendetwas von hinten bedrohte und meinte, eine Pistole zu erkennen. Andere im Zug erklärten später, es sei ein Schlagbohrer oder auch ein Akkuschrauber gewesen. Der Bedrohte selbst hielt es für ein Messer.

Die Zugführerin, so die Polizei, habe über ihre Leitstelle informiert und die Fahrgäste gebeten, auszusteigen. Daraufhin leerte sich der Zug, der 26-Jährige blieb allerdings drin. Die Zugführerin schloss und blockierte die Türen, damit der Mann nicht flüchten konnte und fuhr weiter zum U-Bahnhof Breitenbachplatz.

Kurze Zeit später traf die Polizei ein und ließ sich von der Zugführerin in die Lage einweisen.

Was der Videoclip zeigt – und was nicht

„An dieser Stelle beginnt der TikTok-Clip“, schreibt die Polizei. „Mit vorgehaltener Waffe wird der 26-Jährige aus dem Zug geholt. An dieser Stelle endet der TikTok-Clip.“

Der Mann wurde festgenommen und in eine Gefangenensammelstelle gebracht. Im Rucksack fand die Polizei kein Messer und keine Pistole und weder Akkuschrauber noch Schlagbohrer. Es war eine Gartenbrause.

Ob der Mann eine Maske getragen hat, sei nicht bekannt, schreibt die Polizei.

Videos zeigen nie, was vorher passierte

Die Erklärung der Polizei stößt bei Facebook auf überwiegend positive Resonanz. „Heutzutage suchen leider immer weniger Menschen danach, ob es sich um Fake oder Hetze handelt und teilen munter drauf los“, kommentiert zum Beispiel ein Nutzer. Eine weitere Nutzerin hält nichts von solchen Videos. „Komischerweise wird immer nur gezeigt wird, wenn die Polizei aktiv wird, aber nie, was vorher war.“ Das diene nur dazu, die Polizei schlecht dastehen zu lassen.