Berlin - Dieses Geheimnis dürfte bald gelüftet werden: Schon bei Erscheinen seines Erfolgsbuchs „Neukölln ist überall“ wurde geunkt, dass Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky das Buch kaum selber und allein geschrieben haben dürfte. Der Bestseller ist ein fast 400 Seiten langer, faktenreicher, streitbarer aber differenzierter Beitrag zur Integrationspolitik.

Und den soll ein vielbeschäftigter Bürgermeister eines der herausforderndsten Bezirke Berlins ganz allein bewältigt haben? In seiner Freizeit? Oder haben ihm seine Rathaus-Mitarbeiter geholfen? Und wenn ja, wann? Etwa in ihrer Arbeitszeit?

Nun muss das Bezirksamt Neukölln sagen, ob und welche Bedienstete an dem Buch mitwirkten. Das hat das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren entschieden. Ein Berliner Journalist hatte beim Bezirk Auskunft erbeten. Als dieser mit dem Hinweis auf private Interessen ablehnte, ging er vor Gericht.

Kein Kommentar aus Neukölln

Die 27. Kammer des Verwaltungsgerichts sieht das Berliner Pressegesetz tangiert. Demnach sei das Bezirksamt auskunftspflichtig, weil „Nebentätigkeiten der Beamten und Angestellten der Bezirksverwaltung dem Bezirksamt als Dienstbehörde zumindest anzuzeigen seien“. Es gehe eben „nicht nur um Privatangelegenheiten der Mitarbeiter“. Im Gegenteil müsse die Behörde Auskunft über die Zahl der in Nebentätigkeit mitwirkenden Mitarbeiter geben, sowie darüber, ob „die Nebentätigkeiten außerhalb der Dienstzeiten ausgeübt“ werden.

Für Gerichtssprecher Stephan Groscurth ist die Interpretation des Urteils eindeutig. „Man sollte als Behörde nicht mauern“, sagte er.

Aus Neukölln war am Donnerstag kein Kommentar zu bekommen. Weder der SPD-Politiker selbst, noch sein Stellvertreter als Bürgermeister – Falko Liecke von der CDU – mochten sich äußern. Auch Buschkowskys Rechtsbeistand Johannes Eisenberg wollte nicht sagen, ob Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt werde. Auch der Ullstein-Verlag, der das Buch herausgebracht hat, äußerte sich nicht.

Mittlerweile wurde Buschkowskys Buch 170.000 Mal verkauft. Der Bürgermeister ist nicht der erste Politiker, der in seiner Amtszeit ein Buch geschrieben hat. Bei Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ hatte sich die Frage nach Mitautoren nicht gestellt, weil ihm jeder dieses zahlenstrotzende Machwerk zugetraut hat. Und als Klaus Wowereit 2007 seine Biografie „ … und das ist auch gut so. Mein Leben für die Politik“ veröffentlichte, stand der Name des Ghostwriters zwar nicht auf dem Cover, jedoch auf Seite 3: der Journalist Hajo Schumacher.