Franziska Giffey (SPD).
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BerlinBerlins Sozialdemokraten haben Grund zur Freude und zur Besorgnis. Noch stellen sie als stärkste Fraktion mit Michael Müller den Regierenden Bürgermeister in Berlin. Doch das könnte nach den nächsten Wahlen anders aussehen. Auf nur noch 15 Prozent käme die SPD jetzt, wenn am kommenden Sonntag die Wahl zum Abgeordnetenhaus wäre. Das hat eine Umfrage im Auftrag der Berliner Morgenpost und des RBB ergeben. Mit der Linken sind die Sozialdemokraten damit gleichauf, belegen aber hinter Grünen (26 Prozent) und CDU (22 Prozent) den dritten Platz. Ein Abrutschen auf Platz vier ist nicht ausgeschlossen.

Bleibt es dabei, könnte sich die SPD jegliche Ambitionen abschminken, das Amt des Regierenden Bürgermeisters erneut zu besetzen. Denn Anspruch darauf hat nun mal die stärkste Fraktion. Grund zur Freude besteht für die Sozialdemokraten trotzdem, denn 51 Prozent der Befragten gaben an, dass sie der designierten Berliner SPD-Chefin Franziska Giffey zutrauen, eine gute Regierende Bürgermeisterin zu werden. Mit (laut Umfrage) 26 Prozent der Stimmen dürften zwar die Grünen das Spitzenamt in der Landesregierung besetzen, doch stufen nur 16 Prozent die Grünen-Spitzenpolitikerin Ramona Pop dafür als geeignet ein. CDU-Landeschef Kai Wegner kommt sogar nur auf neun Prozent.

Die Umfrage zeigt, dass Giffey über die Parteigrenzen hinweg Zuspruch erhält. Nur wenn die SPD diese  Sympathien bei der Wahl in Stimmanteile verwandelt, hat sie aber Aussicht auf den Posten des Stadtoberhaupts. Der Druck, Franziska Giffey schon jetzt, ein Jahr vor den Wahlen, zur Regierenden Bürgermeisterin zu machen, dürfte damit wachsen. Das ginge freilich nur, wenn sich Amtsinhaber Michael Müller zurückzöge. Und selbst wenn es dafür eine Mehrheit in der SPD gäbe, dürften die Koalitionspartner Grüne und Linke kein Interesse daran haben. Der Herbst wird spannend.