Giftige Sporen: Anna-Lindh-Schule muss teilweise schließen

250 von circa 700 Schülern müssen aus der Grundschule ausziehen, nachdem in der Raumluft Schimmel gemessen worden ist. Ersatz wird dringend gesucht.

Nach Sanierung wegen Schimmels wurde erneut zum Teil starke Belastung mit sogar besonderer gesundheitlicher Bedeutung festgestellt. Für zehn Klassen müssen Unterrichtsräume gefunden werden.
Nach Sanierung wegen Schimmels wurde erneut zum Teil starke Belastung mit sogar besonderer gesundheitlicher Bedeutung festgestellt. Für zehn Klassen müssen Unterrichtsräume gefunden werden.Gerd Engelsmann

Stefanie Remlinger spricht aus, was wohl dem einen oder anderen angesichts der Nachricht von der Teilschließung der Anna-Lindh-Schule durch den Kopf gegangen sein wird. Sie habe gehofft, dass die in den 1950er-Jahren erbaute Grundschule bis zum Beginn der angestrebten Grundsanierung 2024 durchhält, meint die Bezirksstadträtin für Schule, Sport, Weiterbildung und Kultur bei einer Veranstaltung in der Grundschule.

Remlinger, der Schulleiter Mathias Hörold und weitere Vertreter der Verwaltung verkündeten schlechte Nachrichten für die 700 Schüler, ihre Eltern und das Personal an der Schule. Nach den Sommerferien können 250 Schüler wegen Schimmelsporen in der Raumluft nicht mehr an ihre Grundschule zurückkehren. Wo sie künftig lernen sollen, ist noch nicht unterschriftsreif.

Schimmel gibt es auch im Lehrerzimmer

Messtechniker legten am 20. Juli Ergebnisse ihrer Raumluftuntersuchungen von Ende Mai vor. Die Analyse ergab eine Belastung mit Schimmelsporen mit „besonderer gesundheitlicher Bedeutung“ im Gebäudeteil 2, wie es in einer Mitteilung des Bezirksamts Mitte heißt. „Die Messergebnisse sind schockierend“, sagt Remlinger. Wenige Tage später fiel die Entscheidung zur Teilsperrung der Grundschule in Wedding.

Die Messergebnisse sind schockierend.

Stefanie Remlinger, Bezirksstadträtin

Zwölf Klassen verlieren in der Weddinger Grundschule ihre Klassenräume. Für zwei Klassen sei in der Grundschule durch Umschichtung ein neues Quartier gefunden worden, erklärt Schulleiter Hörold. 250 Schüler aus zehn Klassen haben nach dem Ende der Sommerferien am 22. August ihren Platz an der Anna-Lindh-Schule verloren.

Ersatzquartier ist in Aussicht

Stefanie Remlinger erklärt, dass unter höchstem Zeitdruck ein Ersatzquartier gesucht wird. Es soll angemietet werden, da eine Containerlösung zu viel Zeit benötige. „Auch für Container braucht man einen Bauplan und eine Baugenehmigung“, sagt die Bezirksstadträtin. Remlinger meint, dass Verhandlungen zu einer Lösung auf der Zielgeraden seien.

Auch für Container braucht man einen Bauplan.

Stefanie Remlinger, Bezirksstadträtin

Sie will nicht weiter ins Detail gehen, da ein Mietvertrag noch nicht unterschrieben sei. Die Bezirksstadträtin merkt an, dass das Anmieten den Steuerzahler einiges kosten werde. Ein Plan B existiere aber derzeit nicht.

Der feuchte Keller bietet Nährboden

Schimmel verursacht schon seit Jahren Schwierigkeiten an der Weddinger Schule. Die Sporen wurden bereits 2017 in den Umkleideräumen der Sporthalle festgestellt. Im Februar 2021 fand sich Schimmel auch im Erdgeschoss der Schule. Es folgten im März und April 2021 das Entfernen und Austauschen der mit Schimmel belasteten Bauteile sowie eine pilzabtötende Behandlung der befallenen Stellen. Luftfilteranlagen wurden installiert.

Schimmelmessungen im Juni 2021 fanden weitere Belastungen. Sie wurden nun durch Messungen knapp ein Jahr später bestätigt. Das Gutachten der beauftragten Messtechniker stellt nun klar, dass nur die vollständige Beseitigung der Schimmelpilzquellen die Raumluft von Sporen freihalten könne.

Pilzsporen können die Gesundheit schädigen

Schimmelsporen in der Raumluft können die Gesundheit schädigen. Sie rufen Reizungen und Allergien hervor. Die Giftstoffe einiger Pilzarten stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Schule wird die Sporen offenbar nicht los, weil sie auf einem ungenügend entwässerten Grundstück steht. Offene Kellerabgänge und Lichtschächte bahnten der Nässe den Weg in das Kellergeschoss. Der feuchte Keller bot einen Nährboden für die Pilze. Sie nisteten sich tief im Mauerwerk ein.

Bezirksstadträtin Remlinger setzt deshalb auf die für 2024 angestrebte Grundsanierung der Schule. Sie soll 60 Millionen Euro kosten und zu Beginn des kommenden Jahrzehnts abgeschlossen sein. Die Summe stünde unter dem Vorbehalt eines Senatsbeschlusses zur Verfügung. „Ich bin sehr, sehr zuversichtlich“, sagt Remlinger.

Neubau wäre schneller möglich

Schneller und wohl auch günstiger wäre ein Abriss und Neubau der Schule, erklärt die Bezirksstadträtin. Dem steht aber der Denkmalschutz entgegen. Schulleiter Mathias Hörold macht deutlich, dass er einen Neubau einer Grundsanierung vorziehen würde. Selbst bei einer kompletten Sanierung seien moderne Lernbedingungen in den bestehenden Gebäudestrukturen kaum herstellbar, meint Hörold.

Remlinger hält es für sinnvoll, den bisherigen Umgang mit dem Schimmelbefall an der Anna-Lindh-Schule zum Gegenstand einer internen Aufklärung zu machen. Es sei klar, dass die bisherigen Sanierungen nur kurzfristige Erfolge gezeigt hätten. „Eine Grundsanierung wird teurer, wenn man die Schule verfallen lässt,“ meint Remlinger.

Einzelne Lehrer hatten Atembeschwerden

Schulleiter Hörold schildert, dass einzelne Kollegen in der Vergangenheit über Atembeschwerden geklagt hätten. Einige hätten an andere Schulstandorte gewechselt. Hintergrund seien laut dem Schulleiter aber nicht nur der Schimmelbefall gewesen, sondern allgemein „extreme Arbeitsbedingungen“ in der in die Jahre gekommenen Schule.