Bundesminister dürfen keine Nebentätigkeit ausüben. Normalerweise. Ob Ursula von der Leyen sich von Angela Merkel gerade eine Ausnahme hat genehmigen lassen? Denn wie die Cateringfirma Sodexo die Opfer ihrer Chinakost entschädigen will – die Idee könnte glatt von der Bundesarbeitsministerin stammen. Von der Leyen liebt Gutscheine. Die sind so schön erzieherisch.

Das wusste der Deutschlandchef von Sodexo vielleicht aus seiner täglichen Zeitungslektüre, als er nun auch auf die Idee mit den Gutscheinen verfiel. Alle Kinder, deren Verdauung durch infizierte Tiefkühlerdbeeren krisenhaft beschleunigt wurde, sollen zum Trost einen Gutschein erhalten – für Bücher, Lehrmittel, Nachhilfe im Gegenwert von 50 Euro. Eine wahrlich einmalige Mischung von Großzügigkeit und pädagogischem Nutzen!

50 Euro in bar – wer weiß, was verantwortungslose Eltern damit anstellen würden. Schnaps, Zigaretten, härtere Drogen kaufen oder schlimmer noch: Sie könnten sie einem muslimischen Hassprediger stiften. An den Kauf frischer Lebensmittel aus heimischen Regionen wollen wir erst gar nicht denken.

Um den Missbrauch staatlicher Wohltaten zu vermeiden, hatte die CDU-Politikerin zuvor schon vorgeschlagen, das geplante Erziehungsgeld für Eltern, die ihre Kinder nicht in öffentliche Betreuungseinrichtungen – und damit den Wirkungsbereich der Firma Sodexo – schicken wollen, nicht auszuzahlen. Stattdessen soll es Gutscheine geben, für Bücher, Lehrmittel, Nachhilfe und Musikunterricht. Nur letzter steht nicht im Sodexokatalog.

Nicht auszuschließen, dass es bei Sodexo auch an die Zukunft denkende Pessimisten gibt, die künftige Missfütterungen nicht ausschließen mögen – durch Eier, sagen wir, aus Nigeria, Blumenkohl aus Georgien oder neuseeländische Hühnerbeine. Wenn die betroffenen Kinder dann gezwungen sein sollten, längere Zeit an gekacheltem Ort in häuslicher Quarantäne zu verbringen, hätten sie wenigsten niveauvolle Unterhaltung. Sodexo sei doppelter Dank!

In seinem „Alfabet“ für Kinder aus dem Jahr 1934 hat Bertolt Brecht das anhand seines Sohnes so beschrieben: „Steff sitzt lang auf dem Abort/Denn er nimmt ein Buch nach dort./Ist das Buch dann dick/Kommt er erst am nächsten Tag zurück.“