Görli in Berlin-Kreuzberg: Anwohner pöbeln bei Bürgerversammlung zum Görlitzer Park

Berlin - Nein, so etwas habe er noch nie erlebt, sagte Bernhardt Palluch vom Landschaftsbüro Ökologie& Planung. Er und seine Mitarbeiter wollten am Donnerstagabend ihr Pflegekonzept für den Görlitzer Park vorstellen, das sie zwei Jahre lang erarbeitet hatten.

Doch dazu kamen sie erst mal nicht. Die meisten der mehr als 100 Teilnehmer der Bürgerversammlung im Jugendclub Kreuzer wollten vor allem eines: ihrer Empörung über den massiven Rückschnitt von Gehölzen im Park durch das Bezirksamt Luft machen.

Die Landschaftsplaner, die über die weitere Entwicklung der Grünanlage diskutieren wollten, kamen vor lauter Gebrüll kaum zu Wort. Moderator Bernhardt Palluch schüttelte immer wieder hilflos den Kopf, und Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) wurde ständig als „Lügner“, „Plattmacher“ oder gar „Rassist“ beschimpft.

Ausgerechnet die Grünen

Seit Ende November, als das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg im Görlitzer Park, dem größten Drogenumschlagplatz der Stadt, radikal Bäume und Büsche auslichten ließ, gärt es rund um den Park. Vor allem die Tatsache, dass die Aktion ohne Rücksprache mit den Anwohnern erfolgte, empört dort viele. Dazu muss man wissen, dass der Görlitzer Park bundesweit die erste Anlage war, bei deren Gestaltung die Bürger beteiligt wurden.

So etwas prägt. Seit über 30 Jahren engagieren sich Anwohner für die 14 Hektar große Grünanlage. Jetzt fühlen sich die Kreuzberger, für die Basisdemokratie und Partizipation zum Alltag zählen, von der Politik überrumpelt. Dass es ausgerechnet „ihr“ grün regiertes Bezirksamt war, dass so eigenmächtig und radikal handelte, macht den Unmut noch größer.

Der Baustadtrat, der sich ausdrücklich zu der Kahlschlag-Aktion bekannte, sagte, man habe in Kooperation mit der Polizei Angsträume im Park beseitigen wollen. Viele Anwohner hätten sich bei ihm bedankt. Lautstarke Schimpfkanonaden und Pfiffe aus dem Publikum waren die Reaktion. Auch sein Argument, dass im Zusammenhang mit dem Drogenhandel nahe dem Park sogar Menschen niedergestochen wurden, verfing nicht. Ein Mann schrie: „Wieso muss der Park rasiert werden, wenn in einer Shisha-Bar jemand erstochen wird?“

Als Panhoff dann noch erklärte, dass man in den Büschen alte Matrazen und Essensreste beseitigt und damit eine Rattenplage beendet habe, eskalierte die Stimmung. Auf den Matrazen hätten Menschen geschlafen, schrieen Teilnehmer empört, Obdachlose, die durch den „Polizeischnitt“ verdrängt worden seien. Und wo seien die vielen Füchse geblieben, die im – jetzt weggefrästen – Unterholz gelebt hätten?

„Gentrifiziert, so wie viele arme Anwohner“, rief ein Mann. Er meinte es ernst. Eine Frau sagte mit Blick auf die meist jungen Störenfriede: „Diese Generation ist nicht debattenfähig. Sie erträgt es nicht, wenn jemand andere Auffassungen hat.“

Drei Eingänge schließen

Schließlich wurde dann doch noch das Parkpflegekonzept vorgestellt. Auch die Landschaftsarchitektin Barbara Markstein kritisierte den Kahlschlag, den sie mit Blick auf ihren Auftraggeber Bezirksamt aber höflich als „Maximalschnitt“ bezeichnete. Die Schäden daraus werde man im Frühsommer sehen, sagte sie und rief die Anwohner zu gemeinsamen Pflanzaktionen auf.

Vor allem robuste Obst- und Ahornbäume sollen nachgepflanzt werden. Zudem ist vorgesehen, die Parkwege mit festem Tennenbelag zu versehen und die Löcher, die Hunde in die Rodelbahn gebuddelt haben, zu schließen. Ein Hundeauslaufgebiet ist im Gespräch, dafür ist eine Fläche über dem Spreewaldbad vorgesehen.

Dort wurden die alten Brombeerbüsche gerodet, der Holhlweg geschlossen. Drei weitere Eingänge im Nordosten des Parks sollen ebenfalls zugemacht werden – ausschließlich aus ökologischen Gründen, wie Markstein sagte: „Dort gibt es Erosion von Böden und Trampelpfade, die der Natur schaden.“ Auch Spielplätze und die Rodelbahn sollen saniert und Toiletten aufgestellt werden.

Kurz nach 19 Uhr waren die Teilnehmer erschöpft, die Versammlung wurde beendet.