Mit einem Großaufgebot versucht die Berliner Polizei seit Monaten, den Drogenhandel im Görlitzer Park in Kreuzberg einzudämmen. Doch das Rauschgiftgeschäft geht in anderen Gegenden der Stadt unvermindert weiter.

Polizisten beobachten, dass Dealer vom Görlitzer Park vermehrt in die Seitenstraßen ausweichen. Gedealt wird auch in den Partygegenden Friedrichshains und neuerdings in der Umgebung des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

Seit Beginn der Großeinsätze im Görlitzer Park im November 2014 nimmt die Polizei fast täglich Dealer fest. Bis Montag kamen laut Staatsanwaltschaft 56 Drogenhändler in U-Haft. Einer internen Auflistung zufolge entfielen mehr als zwei Drittel von 49 195 Einsatzkräftestunden, die die Polizei in den Kampf gegen Dealer investierte, auf November und Dezember.

Eigentlich müsste sich die Bilanz der Kontrollen vom Herbst in der Kriminalstatistik niederschlagen, mit einer höheren Zahl registrierter Rauschgiftdelikte im Vergleich zum Vorjahr. Doch tatsächlich ist der Anstieg um 0,9 Prozent auf 13.465 Fälle kaum messbar. Der Erklärung: „Im gleichen Maße gingen die Kontrollen zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität an anderen Orten in der Stadt zurück“, sagt Steve Feldmann von der Gewerkschaft der Polizei. „Das ist auch der Grund, weshalb die hohen Einsatzkräftestunden im Görlitzer Park zu keiner statistischen Veränderung in der Kriminalstatistik führen konnten.“ Während sich die Polizei auf den Görlitzer Park konzentriere, gehe der Drogenhandel an anderer Stelle, etwa in der U-Bahn, um so ungehemmter weiter.

Rund um die Bahnhöfe wird gedealt

Beamte, die sich dem Görlitzer Park widmen, werden zurzeit aus anderen Bereichen dauerhaft abgezogen. Die neuen Dealer-Aktivitäten am Tempelhofer Feld erstrecken sich nach Angaben des Parkmanagers zwar nicht auf die Freifläche, dafür wird am Tempelhofer Damm sowie am S- und U-Bahnhof Tempelhof mit Drogen gedealt. Trotz Personalmangels bekommt die Polizei davon einiges mit: Leitete sie im Jahr 2013 noch 80 Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz in der Umgebung des früheren Flughafens ein, so schrieb sie im vergangenen Jahr schon 154 Strafanzeigen.

„Es ist klar, dass wir Schwerpunkte setzen und unsere Kräfte konzentrieren müssen“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Der Drogenhandel hatte im Görlitzer Park Ausmaße angenommen, die nicht länger hingenommen werden konnten.“ Die Verschiebung von Kräften gehe zulasten anderer Bereiche. Drogenhandel lasse man aber auch an anderen Orten nicht zu.