Der Görlitzer Park in Kreuzberg ist laut und schmutzig, am Eingang stehen die Dealer Spalier. Anwohner beschweren sich über aggressives Auftreten. Trotz zahlreicher Razzien bekommt die Polizei das Problem nicht in den Griff. Das Bezirksamt hat einen Ausweg vorgeschlagen, man will einen staatlich kontrollierten Verkaufsladen für Cannabis eröffnen.

Die Idee, die von der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann stammt, klingt mutig. Mal angenommen, der Antrag nimmt alle rechtlichen Hürden beim Bundesamt für Arzneiwesen und wird wider Erwarten und entgegen der ablehnenden Haltung der Bundesregierung doch genehmigt. Dann wird ein Coffeeshop im Görlitzer Park eingerichtet.

Joints mit Biosiegel

Wem ist geholfen, wenn es nur einen einzigen solchen Laden gibt? Wahrscheinlich wird der Park dann erst recht zur Attraktion für Touristen, die wegen der Joints mit Biosiegel kommen. Es könnte also noch voller werden als bisher. Die Grünen begründen ihren Antrag auch mit Jugendschutz, aber die Jugendlichen kommen auch weiter an ihren Stoff ran. Sie müssen nur ein paar Straßen weiter ziehen, in den nächsten Bezirk, wo die Dealer weiter stehen.

Immerhin ist sich Herrmann dieses Problems bewusst. Sie will nicht nur einen einzigen Shop in ihrem Bezirk, sondern den legalen Verkauf von Cannabis in Deutschland. Doch das ist bisher Utopie. Außerhalb von Kreuzberg will kaum jemand den Vorschlag unterstützen. Der Antrag wird abgelehnt werden, die Kreuzberger Grünen werden sich bestätigt fühlen, wie wenig die Welt da draußen doch begriffen hat, und der Görlitzer Park verwahrlost weiter.

Sie selbst habe noch nie einen Joint geraucht, hat Monika Herrmann mal einer Journalistin erzählt. Die Geschichte der drogensüchtigen Christiane F. vom Bahnhof Zoo habe sie abgeschreckt.