Dieser Tage versprachen Arbeitsministerin Andrea Nahles und  SPD-Kanzler-Kandidat Martin Schulz die Aktion Rentnerglück. Die Parole lautet: Für alle Rentner mehr Geld als bislang vorgesehen! Dafür  sollen die Beiträge zur Rentenversicherung auf Wunsch der SPD recht  schnell von heute 18,7 Prozent auf 22 Prozent klettern. Das bedeutet eine Steigerung der in Euro zu bezahlenden Beiträge für die abhängig Arbeitenden um 17,6 Prozent. Mit solchen Rechnungen belastet sich Kanzlerkandidat Schulz nicht. Mathematik gehört sowieso nicht zu seinen Stärken. Lieber umheuchelt  er seine arglosen Opfer als die kleinen „hart arbeitenden Menschen“.

Neben den erhöhten Beiträgen zur Rentenkasse möchte Schulz der „hart arbeitenden Mitte“, die er angeblich entlasten will, noch eine zweite Bürde aufhalsen und den aus allgemeinen Steuereinnahmen finanzierten Zuschuss zur Rentenkasse kräftig anheben: von jetzt 98 auf 118 Milliarden Euro. Das sind satte 20 Prozent. Diese Mittel würden dann für Schulen und Kindergärten usw. fehlen. Als Bezieher einer Durchschnittsrente und Großvater sage ich: Nein danke! Auf derartige Ekelgeschenke zu Lasten der Kinder und Enkel  verzichte ich liebend gerne.

Möglichst vielen möglichst viel versprechen

Aber Schulz wäre nicht Schulz, würde er nicht möglichst vielen  möglichst viel versprechen. So hält er für die Jüngeren diese  Botschaft bereit: „Mit mir wird es natürlich keine Erhöhung des Renteneintrittsalters geben.“ So spricht der Mann, der unaufhörlich behauptet, er wolle „deutscher Kanzler“ werden. Das erscheint mittlerweile wenig wahrscheinlich. Der zum Kandidätchen Geschrumpfte gab das neulich selbst zu verstehen. Kleinlaut fügte er nämlich an, ein höheres Renteneintrittsalter werde mit ihm auch „in keinem Koalitionsvertrag zu vereinbaren sein“.

Eine Koalition? Mit wem? Unter wem? Und warum überhaupt? Nahles und Schulz verkaufen die heute unter 55-Jährigen für dumm. Für ihre Aktion Rentnerglück legen sie nämlich eine Prognose vor, die nur bis 2030 reicht. Was soll danach  geschehen? Dazu schweigt Schulz.

Wie unseriös die SPD-Wahlversprechen an die stimmenstarken Senioren sind, beweist die dritte Finanzierungsquelle, die Nahles und Schulz neben Beitrags- und Steuererhöhungen anzapfen wollen. Sie beabsichtigen,  kleine Selbstständige in die Rentenkasse zu zwingen. Ausdrücklich aber  nimmt Schulz berufsständisch versorgte Ärzte, Apotheker und  Rechtsanwälte von dieser Pflicht aus. An deren Privilegien wagt sich  die SPD nicht heran. Auf diese Weise sollen von selbstständigen Fliesenlegern und kleinen Gewerbetreibenden vier bis fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Rentenkasse eingesammelt werden. Schulz und  Nahles verbinden das ausdrücklich mit dem Ziel, diese Extraeinnahmen  zugunsten der heutigen Rentner zu verjubeln. Wer die Ansprüche der  neuen Zwangsmitglieder in 13 oder 30 Jahren bezahlen soll, ist ihnen vollkommen egal.

Der sozialdemokratische Kanzlerkandidat Martin Schulz behandelt die  wichtigen Fragen des generationellen und gesellschaftlichen Ausgleichs  und der Chancengleichheit unter rein wahltaktischen Gesichtspunkten.  Das sollten sich die Jüngeren und die verantwortungsvollen Alten für  die Wahl im September merken.