Götz Aly: Hass gegen Israel mitten in Berlin

Egal, ob der Al-Quds-Tag in Berlin oder Teheran stattfindet, erklärtes Ziel ist „die Befreiung Jerusalems und Palästinas von den blutrünstigen Zionisten“. Jerusalem heißt auf Arabisch Al Quds. Erfunden hatte den allmuslimischen, gegen das Existenzrecht Israels gerichteten Kampftag der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini und den Termin 1979 auf das Ende des Ramadan festgelegt.

In Berlin wird er seit 20 Jahren abgehalten. Am vergangenen Sonnabend lauteten die Parolen „Zionisten sind Faschisten!“ oder „Wir werden siegen!“. Man kann das als Berliner Protestfolklore abtun, aber trotz einiger einschränkender Auflagen des Innensenators wurden eben auch Plakate mitgetragen, auf denen Forderungen standen wie diese: „Israel raus aus Palästina!“ Damit ist das gesamte einst britische Mandatsgebiet Palästina gemeint. Genau gelesen bedeutet der Text: Jüdische Israelis raus Israel.

Um solche Parolen zu gewichten, sollte man sich vergegenwärtigen, dass zum Beispiel der salafistische Imam Abdallah Khalid Ismail, genannt Abu Bilal, 2014 in der Neuköllner Al-Nur-Moschee dieses Gebet sprach: „Oh Gott, übernimm die Angelegenheiten der zionistischen Juden, denn sie werden sich dir nicht entziehen! Verringere ihre Zahl und töte sie, einen nach dem anderen! Und verschone niemanden unter ihnen!“

Rund 1000 Demonstranten bei Al-Quds-Tag

In diesem Jahr folgten der Demonstration etwa tausend hier lebende, im Durchschnitt jüngere Muslime, darunter viele, fast ausnahmslos streng religiös gekleidete Frauen. Angenehm fand ich, dass es so gut wie keine „antizionistischen“ Unterstützer und Mitmarschierer altdeutscher Herkunft gab. Linksradikale Gruppen hatten die Teilnahme ausdrücklich abgelehnt.

Auf der anderen Seite des Kurfürstendamms fand leicht zeitversetzt eine proisraelische Gegendemonstration statt, halb jüdisch, halb nicht-jüdisch zusammengesetzt. Auch sie war nicht besonders stark besucht. Doch zeigten die Parteien aus Bundestag und Abgeordnetenhaus ihre Solidarität - auch Die Linke, die sich lange kontrovers mit dem Thema „Israel-Palästinenser“ gequält hat.

Dagegen muss aufklärerisch, gegebenenfalls repressiv vorgegangen werden

Allerding gibt es unter türkischen und arabischen Jugendlichen und unter den im vergangenen Jahr aufgenommenen Flüchtlingen viele, die das Existenzrecht Israels bestreiten. Sie verehren die Milizionäre und Terroristen der Hamas und der Hisbollah als Helden. Dagegen muss aufklärerisch, gegebenenfalls repressiv vorgegangen werden: Die Wünsche nach Einbürgerung sollten genau geprüft werden.

Besonders schwer belastet der Al-Quds-Tag die deutsch-iranischen Beziehungen. Deutschland kann mit einem Staat, der die Zerstörung Israels offiziell herbeiwünscht, keine normalen Beziehungen pflegen. Auch am vergangenen Freitag mischte sich der als gemäßigt geltende iranische Präsident Hassan Rohani unter die Al-Quds-Demonstranten in Teheran, und der Chef der radikalen Revolutionswächter, General Hossein Salami, erklärte am selben Freitag vor Studenten in Teheran: „Allein im Libanon stehen mehr als 100.000 Raketen bereit, um jederzeit das Herz des zionistischen Regimes zu treffen.“

Wenn man einbezieht, wie der Al-Quds-Tag im Iran und in bestimmten Moscheen propagiert wird, gibt es durchaus Gründe, beim nächsten Mal ein Verbot dieser Demonstration in Berlin zu prüfen.