Die polnische Regierungspartei ist seit Jahren dabei, das Geschichtsbild des Landes aufzuputzen. Deshalb sollen Missetäter, die das nationalistische Prunkgemälde beklecksen, bestraft werden. Soweit sich die Regierung gegen die Rede von den „polnischen Konzentrationslagern“ gesetzlich wehrt, kann man das akzeptieren.

Diese Mordstätten befanden sich zwar auf polnischem Boden, wurden jedoch von deutschen Staatsverbrechern errichtet und betrieben. Doch geht der Gesetzentwurf sehr viel weiter. Paragraf 5 besagt: „Wer dem polnischen Volk oder dem polnischen Staat öffentlich Mitverantwortung für Verbrechen zuschreibt, die durch die Nazi-Besatzer begangen wurden“, habe – auch als Ausländer! - bis zu drei Jahre Gefängnis zu gewärtigen. Deshalb will ich wenigstens drei von vielen Tatsachen anführen, deren Nennung mich künftig ins polnische Gefängnis bringen könnte.

Freundschaftliche Beziehungen mit Deutschland

Am 20. September 1938 sprach Polens Berliner Botschafter Józef Lipski bei Hitler vor. Letzterer bot ihm an, „das jüdische Problem durch Auswanderung in die Kolonien zu lösen auf der Grundlage einer Übereinkunft mit Polen, Ungarn und möglicherweise Rumänien“. Seinem Außenminister berichtete Lipski: „In diesem Punkt, so erklärte ich, würden wir ihm (Hitler) ein großartiges Denkmal in Warschau errichten, falls er eine solche Lösung fände.“

Polen pflegte damals freundlichen Umgang mit Deutschland, weil Hitler es im Zuge der Annexion des Sudetenlandes mit der tschechischen Stadt Český Těšín und dem umliegenden Gebiet bedachte. Winston Churchill kommentierte: Auch Polen „kreiste gleich einem Aasgeier über dem tschechischen Leichnam“.

„Höchst akute Judenfrage“

Im Januar 1942, die Deutschen hatten gerade die ersten Gaskammern in Betrieb genommen, verkündete die Untergrundzeitschrift Naród (Volk): „Wir bestehen darauf, dass die Juden ihre politischen Rechte und das Eigentum, das sie verloren haben, nicht zurückerhalten. In Zukunft müssen sie allesamt unser Land verlassen.“

Herausgegeben wurde Naród von der christlich-demokratischen Arbeiterpartei. Diese gehörte der polnischen Exilregierung in London an und trat für eine Föderation slawischer Staaten ein. Daraus folgte für die Behandlung der „höchst akuten Judenfrage“: „Dass wir ganz Mittel- und Südeuropa von dem jüdischen Element zu säubern haben. Was darauf hinausläuft, etwa acht bis neun Millionen Juden zu entfernen.“ Soweit Naród.

Auch in Polen gesellschaftlicher Zuspruch

Während des Warschauer Aufstands gegen die deutschen Besatzer erfuhr Brigadegeneral Tadeusz Pełczyński am 4. August 1944, dass seine Truppen einige Hundert jüdische Häftlinge befreit hatten. Daraufhin befahl er: „Trefft Vorbereitungen für ein provisorisches Lager, in dem alle befreiten Juden und andere unerwünschte Elemente untergebracht werden können.“

Deutsche begingen den Judenmord. Das steht felsenfest. Aber sie stützten sich auch in Polen auf gesellschaftlichen Zuspruch. Heute ist in Warschau das Institut für nationales Gedenken für praktische Geschichtspolitik zuständig. Neuerdings steht Jarosław Szarek dem Institut vor – ein geübter Erzähler nationaler Heldenepen, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger das Störende, etwa das polnische Judenmassaker in Jedwabne vom 10. Juli 1941, hartnäckig leugnet.