Vor zwei Wochen feierte das Berliner Theater RambaZamba seinen 25. Geburtstag. Die Fete stieg in der Kulturbrauerei. Die DADA-Diven gaben ihr Bestes, ebenso die Band 21 Downbeat. Dieser Name und manche Titel aus dem Repertoire der vergangenen Jahre – „Mongopolis – Fisch oder Ente“ oder „Der gute Mensch von Downtown“ – geben Hinweise auf das Besondere: Die Schauspieler haben von Kindesbeinen an mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen zu tun, nicht wenige sind genetisch anders ausgestattet als der Durchschnitt, man spricht von Trisomie 21 oder Downsyndrom, ehedem von Mongolismus.

Doch geht es im RambaZamba nicht um begütigend tätschelnde Inklusion nach dem Motto: „Alexander hat doch auch ein sehr hübsches Bild gemalt“. Hier spielen die 35 Künstlerinnen und Künstler des Ensembles ihr eigenes Theater und präsentieren ein grandioses Gegenprogramm. Sie trainieren hart, gehen durch die klassische Schauspielschule, aber spielen in einer Weise, die nur sie beherrschen – mit unvergleichlicher Expressivität.

Kulturell gehört dieses Theater zu den schönsten Nebenergebnissen der deutschen Wiedervereinigung. Die Idee entstand im alten Ostberlin. Die Realisierung gelang im neuen Gesamtberlin. Die Gründer, Gisela Höhne und Klaus Erforth, brachten dreierlei Voraussetzungen mit: eine schauspielerische Ausbildung sowie reiche Theaterpraxis aus der DDR, die dort sehr speziell gediehene Lust an Neuem und vor allem die persönliche Erfahrung, plötzlich Eltern eines Kindes zu sein, das nicht den gesellschaftlichen (und bis zur Geburt auch eigenen) Normalitätserwartungen entspricht.

Produktion der Stücke erfordert neues Denken

Das Ziel dieses Theaters, seiner Freunde und Förderer, in erster Linie jedoch der Mitglieder des Ensembles ist es, „die herablassende Überbewertung der rationalen Intelligenz“ zu überwinden. Sie alle wollen „den ganzen Barmherzigkeitskram, die Therapien, Besserwissereien und Helfergesten“ hinter sich lassen. Wie macht man das praktisch? Bloß kein Verzicht auf hohe Qualität, bloß keine faulen Kompromisse!

RambaZamba hat, man höre und staune, höchst Anspruchsvolles wie „Medea“ und „Woyzek“ auf die Bühne gebracht. Allerdings erfordert die Produktion der Stücke neues Denken. Die Regisseurin castet nicht Darsteller nach ihrem Wunschbild, sondern „entdeckt und entwickelt die Rollen aus der Schauspielerpersönlichkeit heraus“. In den Proben, so Gisela Höhne, „läuft ein ständiger Dialog, in dem sich die Ideen der Regisseurin und die Möglichkeiten der Schauspieler reiben und befördern“.

Auf solchen geistigen und humanen Grundlagen entstand eine Schauspieltruppe, die die Berliner Theaterwelt verändert hat, und nicht nur das: Der Modebegriff Inklusion setzt auf individuelle Einreihung einzelner Behinderter in den mehr oder weniger normalen Alltag; früher sprach man etwas gröber von Eingliederung. Dagegen betreiben die Schauspielerinnen und Schauspieler von RambaZamba ihre gemeinschaftliche Emanzipation nach dem Motto: „Wir sind wir“. Höchst exklusiv zeigen sie den Normalos: Wir können was, was ihr nicht könnt! Wir setzen künstlerische Maßstäbe! Wir spielen, tanzen und musizieren für euch und für uns. Wir nehmen das Leben als Spiel. Wer noch keines ihrer Stücke gesehen hat, ist selber schuld.