Berlin - Eine Beziehung zwischen Fan und Idol ist in aller Regel eine ziemlich einseitige Angelegenheit. Aber es gibt auch diesen Spezialfall, wo zwei Menschen gegenseitig Fans werden. Wie das bei dem Schauspieler Gojko Mitic, dem Helden sämtlicher DEFA-Indianerfilme, und dem Sänger Tino Eisbrenner (seine Band „Jessica“ hatte den Hit „Ich beobachte dich“) passierte.

Mitic erinnert sich: „Tinos Musik habe ich schon gehört, da kannte ich ihn noch nicht.“ Und Eisbrenner hatte als Fünfjähriger 1967 sein erstes Kinoerlebnis in den Eichwalder Lichtspielen bei „Chingachgook, die große Schlange“ mit Gojko in der Titelrolle. Er konnte davon nicht genug bekommen: „Wenn an einem Tag drei Vorstellungen waren, bekam ich von Oma Zweimarkfuffzich und schaute mir den Film dreimal an.“

Vor lauter Aufregung musste der kleine Tino während des Films immer aufs Klo: „Ich habe aber aufgepasst, dass das jeweils bei anderen Szenen war, damit ich die komplette Handlung mitbekam.“ Die Begeisterung für alles, was mit Indianern zu tun hatte, ging sogar bis zur Auswahl einer Sportart: „Wegen Gojko war ich beim Kanurennsport.“

Später hatte Eisbrenner eine Freundin, die Indianistik studierte und für ihre Diplomarbeit ein Interview mit Gojko Mitic benötigte. „Sie traute sich aber nicht. Das Interview habe also ich geführt.“ Man traf sich im Haus von Mitic in Köpenick direkt an der Spree. Damals arbeitete Eisbrenner gerade an der CD „Die Sonne des Jaguars“ mit den Weisheiten echter Indianer. Die Aufnahmen der Texte, gesprochen von Mitic, wurden bei ihm zu Hause gemacht. Der Schauspieler erinnert sich: „Weil es der Raum mit der besten Akustik war, habe ich mich mit dem Mikrofon in meine Sauna gesetzt.“

Gegenseitige Wertschätzung

Eisbrenner kommt es im Rückblick seltsam vor: „Von dem Augenblick an, als ich zum ersten Mal bei Gojko zu Hause saß, sind wir uns dauernd irgendwo begegnet.“ Bei einer TV-Sendung, für die beide unabhängig voneinander gebucht wurden. Und zuletzt bei der Verleihung der „Goldenen Henne“, als sie in einem Saal mit 1800 Gästen zufällig zwei nebeneinander liegende Sitze zugewiesen bekamen. Bei Eisbrenners Konzert am 9. November im Frannz-Club steht Gojko Mitic natürlich auch wieder auf der Gästeliste. Er steht da, für den Fall, dass er Zeit und Lust hat, immer drauf. Derzeit arbeitet Eisbrenner mit Mitic an einem Gojko-Album.

Dem Schauspieler gefallen die Texte Eisbrenners („Ich mag Lieder mit Botschaft.“), und der lobt: „Gojko hat eine Stimme, die in der Tiefe sehr gut klingt. Wie Johnny Cash.“ Daraus, Eisbrenner sagt es deutlich, muss man doch was machen: „Wir Gojko-Fans wollen Dich singen hören!“

Den exklusivsten Job, den Eisbrenner in seinem Leben zu vergeben hatte, bekam vorletzte Woche Gojko: Er war Trauzeuge bei der Hochzeit des Sängers. Die Zeremonie fand im Brecht-Weigel-Haus in Buckow statt. Draußen vor der Tür, direkt am Wald, gab es eine gewisse Aufregung und eine Polizeiabsperrung. Später kam auch ein Leichenwagen. Braut und Trauzeuge erfuhren den Grund dafür erst nach der Hochzeit: Man hatte gerade die Schauspielerin Käthe Reichel tot aufgefunden.

Während der Zeremonie war mal wieder deutlich geworden, was für eine Wirkung Gojko Mitic auf Frauen ausübt, auch auf Standesbeamtinnen. Gojko wurde nach der Erinnerung des Bräutigams in der Zeremonie öfter erwähnt als die Braut. Für Mitic selbst war die Hochzeit spannend: „Ich kenne mich mit den Hochzeitsbräuchen nicht aus, denn ich selbst habe ja nie geheiratet. Für mich ist es nicht wichtig, einen Vertrag über die Ehe zu schließen. Ich erspare Vater Staat diese Steuerersparnis.“

Nicht, dass es keine Kandidatinnen gäbe. „Ich habe eine Freundin. Sie lebt derzeit aber in einer anderen Stadt. Das ist gut. Die Entfernung bringt Nähe.“