Die Goldmünze Big Maple Leaf wurde im März 2017 aus dem Bode-Museum gestohlen.
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BerlinWissam R. kommt an diesem Donnerstag als freier Mann in den Saal 817 des Berliner Landgerichts. Obwohl der 22-jährige Spross einer polizeibekannten arabischstämmigen Großfamilie erst vor wenigen Wochen in Erlangen zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Das bedeutet, bei Rechtskraft des Urteils muss er ins Gefängnis.

Wissam R. soll Ende 2018 in Bayern in eine Firma eingebrochen sein und dort sieben Hydraulik-Schneider gestohlen haben. Mit solcher Art Werkzeug sollen Clanmitglieder auch einen Geldtransporter in Mitte aufgebrochen haben. Auch bei dem Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden im November 2019 kam offenbar ein Hydraulik-Schneider zum Einsatz. Spuren der Täter sollen ins Berlins Clan-Milieu führen.

Darum geht es in dem Berliner Verfahren um den Diebstahl der millionenschweren Goldmünze Big Maple Leaf aber nicht. Wissam R. und zwei Cousins, Wayci und Ahmad R., sowie Denis W. stehen seit nunmehr genau einem Jahr vor einer Jugendkammer des Berliner Landgerichts. Sie müssen sich wegen Diebstahls in besonders schweren Fall verantworten.

Die Angeklagten sollen im März 2017 an dem spektakulären Diebstahl der 100-Kilogramm-Goldmünze aus dem Bode-Museum beteiligt gewesen sein. Von dem Goldschatz im Verkaufswert von 3,75 Millionen Euro fehlt bis heute jede Spur.

Wissam und Wayci R. saßen im Auto

An diesem Donnerstag wollte die Vorsitzende Richterin in dem Verfahren eigentlich das gegen Wissam R. verhängte Erlanger Urteil in das Verfahren einfließen lassen. Doch stattdessen verliest sie einen Ermittlungsbericht der Verkehrsinspektion Bayreuth. Auch dieser ist nicht uninteressant.

Darin steht, dass das Auto von Wissam R. Ende vorigen Jahres bei der automatischen Kennzeichenerfassung auf der Autobahn 9 gesichtet, der Wagen später angehalten wurde. Wissam R. saß am Steuer, neben ihm Cousin Wayci R. Der VW Polo war nach einer Unfallflucht in Berlin zur Fahndung ausgeschrieben worden.

Im Auto stießen die Bayreuther Beamten laut Bericht auf interessante Dinge. Im Kofferraum steckten ein Brecheisen, ein Schlagbohrer, ein großer Schraubendreher, mehrere Einweg-Anzüge, drei Sturmhauben und Handschuhe. Die Frage, wofür diese Ausrüstung wohl bestimmt war, wird vor Gericht nicht gestellt, der Prozess schon nach kurzer Zeit unterbrochen. Er wird am nächsten Montag fortgesetzt. Möglich, dass dann das Urteil aus Erlangen eine Rolle spielen wird.

Eigentümer der Goldmünze klagt auf Schadensersatz

Der Prozess wird nicht das einzige Verfahren bleiben, in dem es um den Diebstahl der Big Maple Leaf geht. Am 21. Februar dieses Jahres zieht Boris Fuchsmann, der Eigentümer der wagenradgroßen Münze aus Düsseldorf, in Berlin gegen die Versicherung des Museums vor Gericht.

Die Assekuranz weigert sich wegen bekanntgewordener Sicherheitsmängel im Museum die volle Versicherungssumme von mehr als vier Millionen Euro zu zahlen. Bisher soll Fuchsmann lediglich 800.000 Euro erhalten haben. Das Verfahren findet vor einer Zivilkammer des Landgerichts am Tegeler Weg statt.

Der Unternehmer hatte die Big Maple Leaf dem Museum im Jahr 2010 als Leihgabe überlassen.