Die Riesengoldmünze wurde in Kanada geprägt. Sie hat einen Verkaufswert von 3,75 Millionen Euro.
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BerlinGerade hat eine Strafkammer des Landgerichts drei Diebe der Riesengoldmünze zu Haftstrafen verurteilt, da muss sich eine Zivilkammer erneut mit der "Big Maple Leaf" befassen. Boris Fuchsmann, 73 Jahre alt und Eigentümer des 3,75-Millionen-Euro-Schatzes, hat von der Allianz Versicherung bisher nur 800.000 Euro erhalten. Die Assekuranz weigert sich, den vollen Schaden zu übernehmen - wegen gravierender Sicherheitsmängel im Bode-Museum.

Fuchsmann hatte die Münze dem Bode-Museum im Jahr 2010 als Dauerleihgabe überlassen. Sie wurde mit 4,2 Millionen Euro versichert. In der Nacht zum 27. März 2017 wurde das schwere Ausstellungsstück auf spektakuläre Weise aus dem Museum gestohlen. Die Täter waren durch das einzige nicht alarmgesicherte Fenster in das Gebäude eingedrungen. Der Alarm war wegen eines technischen Defekts abgeschaltet.

Boris Fuchsmann, 73, ist Eigentümer der geklauten Riesengoldmünze. Er klagt vor dem Landgericht gegen die Allianz auf Zahlung des gesamten Versicherungsschadens von 4,2 Mio Euro.
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Es geht in dem Verfahren vor einer Zivilkammer des Landgerichts vor allem um die Frage, ob dieses Fenster eine Gefahrenerhöhung darstellt und geeignet ist, den Versicherungsschutz infrage zu stellen. So erklärt es Marianne Voigt, die Vorsitzende Richterin, am Freitag. Fraglich ist auch, ob das Museum schon etwas unternommen hatte, um den Fehler zu beseitigen.

Ein am Donnerstag verurteilter Wachmann des Museums hatte seinem Freund, ein Mitglied der polizeibekannten Großfamilie R., laut Urteil von der "Achillesferse" in der Sicherheitsarchitektur des Museums berichtet. Er soll das Fenster am Vorabend der Tat geöffnet haben. Die Täter nutzten sein Insiderwissen. Die Münze ist bis heute verschwunden. Vermutlich wurde sie zerteilt und verkauft.

Entscheidung ist für den 17. März avisiert

Eine halbe Stunde lang werden an diesem Freitag Argumente ausgetauscht. Dann gibt die Richterin den Parteien Gelegenheit, sich noch einmal zu erklären. Eine Entscheidung ist für den 17. März avisiert. Ob es dann auch ein Urteil geben wird, ist unklar.

Boris Fuchsmann (73), der mit zwei Anwälten extra aus Düsseldorf angereist ist, zeigt sich nach dem Termin optimistisch. Und selbst wenn das Gericht seinem Begehr nicht nachkommt, dann wird er gegen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz vorgehen, zu der das Bode-Museum gehört. 

Der Immobilienentwickler hatte die Münze während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 erworben. Er hatte in Südafrika in einer Anzeige gelesen, dass die "Big Maple Leaf" in Wien versteigert werden würde. Der Sammler russicher Kunst wollte telefonisch mitbieten, fuhr mit Freunden am Tag der Auktion aber in den Krüger-Nationalpark. "Und da hatte ich keinen Empfang", erinnert sich Fuchsmann.

Stunden später bekam er mit, dass das Auktionshaus mehrfach versucht hatte, ihn zu erreichen. Die Münze war weg, ein spanischer Unternehmer hatte den Zuschlag bekommen. Fuchsmann bot dem neuen Eigentümer 100.000 Euro mehr und bekam die "Big Maple Leaf" schließlich doch noch. "Ein wunderschönes Stück", schwärmt Fuchsmann. Nur fünf Exemplare habe es davon weltweit gegeben.

Als das Bode-Museum bei ihm angefragt habe, die Münze in der Ausstellung "Goldgiganten" präsentieren zu dürfen, habe er sofort zugesagt. "Was soll die Münze bei mir zuhause stehen. Meine Frau hatte auch gesagt, dass sie nur Einbrecher anziehen wird", sagt Fuchsmann. Er habe seine Frau beruhigt. Wenn eingebrochen würde, dann wäre die Münze wegen ihres Gewichts wohl das Letzte, was Diebe aus dem Haus schleppen würden.