Häufig klischeebeladen, manchmal absurd und fast immer mit einem Fünkchen Wahrheit versehen: Googles Autovervollständigungen sagen einiges aus über die Gedankenwelt der Suchenden. Prominente wie Bettina Wulff wurden bereits Opfer der zusätzlichen Suchworte: Lange fügte die Suchmaschine ihrem Namen das Wort "Escort" hinzu, wenn man die Ex-Gattin des Ex-Bundespräsidenten suchte. Den Fußballer Philipp Lahm belegte Google hartnäckig mit dem Wort "schwul".

Welche Faktoren die vorgeschlagenen Begriffe beeinflussen, darüber schweigt Google. Wie einen Schatz hütet der Konzern den Algorithmus, nach dem die Suchworte ergänzt werden. "Die Begriffe werden automatisch erstellt und basieren auf verschiedenen Faktoren, insbesondere der Beliebtheit bestimmter Suchbegriffe im Internet", sagt Google-Sprecher Ralf Bremer.

Google nehme keinen Einfluss auf die vorgeschlagenen Suchbegriffe, erklärte der Konzern, nachdem Bettina Wulff wegen der Autovervollständigung geklagt hatte. Die Funktion sei keine Meinungsäußerung, sondern ein Spiegelbild bisheriger Suchanfragen. „Sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben“.

Macht es einen Unterschied, ob aus Berlin oder München gesucht wird? Wird der am häufigsten gesuchte Begriff oben angezeigt oder sind die Begriffe unsortiert aufgelistet? Bremer verrät lediglich, dass sich die angezeigten Vervollständigungen von Zeit zu Zeit ändern, wenn Nutzer häufig genug neue Kombinationen aus Suchworten eingeben.

Die Info-Website zur Autovervollständigung gibt außerdem an, dass vorherige Suchanfragen Einfluss auf die Ergebnisse haben können. Ergänzt die Suchmaschine zu einem Wort keine passenden Begriffe, ist der Suchbegriff meist nicht beliebt genug oder zu neu, steht dort.

Auch weist Google auf mögliche Absurditäten in Zusammenhang mit den Autovervollständigungen hin: "Wie das Web selbst wirken die angezeigten Suchbegriffe (...) unter Umständen merkwürdig oder verwunderlich." Dass dies mitnichten eine Übertreibung ist, beweist die Suche nach Berliner Stadtteilen.

Wir haben am 17. November Stadtteil für Stadtteil in die Suchmaschine getippt - immer nach dem Vorbild "Stadtteil XY ist...". Unsere Karte zeigt, was Google den Suchenden als automatische Ergänzungen anbietet.

Warum bitteschön googeln Nutzer den Stadtteil Wedding gemeinsam mit dem Land Kambodscha? Seit wann herrscht in Tempelhof eine rechtsfreie Zone ohne Tempolimit? Und brauchen Menschen ernsthaft eine Suchmaschine, um herauszufinden, dass Hellersdorf nicht in Sibirien liegt? Unsere Bildergalerie erklärt die Suchanfragen Stadtteil für Stadtteil.

Gangster-Rapper und Angsthasen

Wer sind sie also, die Menschen, die Ausschlag geben für die Google-Autovervollständigungen? Offensichtlich bestehen sie aus Gangster-Rappern, Buch-Autoren und Menschen, die beim geringsten Anlass vor Angst erzittern.

Liebe Internet-Gemeinde: Nichts wie weg von den Computern und hinaus an die Luft! Denn wer wirklich wissen möchte, wie ein bestimmter Stadtteil so ist, der sollte einfach hinfahren und sich umschauen.