Wie bei den meisten Erfolgsgeschichten aus dem Silicon Valley beginnt auch die von Google in einer Garage. Ach, welch herrliche Unschuld ruht solchen Anfängen inne! Am 4. September 1998 gründeten die Informatikstudenten Larry Page und Sergey Brin also ihre Firma, den Namen Google Inc. wählten sie eigentlich nur, weil der deutsche Investor Andreas von Bechtolsheim dem Unternehmen einen Scheck über 100.000 US-Dollar ausgestellt und als Empfänger „Google“ eingetragen hatte – so konnten Page und Brin dann den Scheck einlösen. Nennen wir das einen charmanten Hals-über-Kopf-Beginn zweier Tüftler.

Einem Datenschutzregime unterworfen

Von diesem Charme ist 20 Jahre später nicht mehr viel übrig, auch wenn es zu den irgendwie hippiesken Unternehmensleitsätzen des Konzerns gehört, sich selbst zu den Guten zu zählen: „Don’t be evil!“ Ansonsten tritt man für die Demokratie im digitalen Zeitalter ein, wie es beim Google-nahen Thinktank New America heißt, „während ein tiefgreifender, berauschender, doch oft bedrohlicher Wandel stattfindet“. Dass Google indes selbst ein Teil der Bedrohung sein könnte, findet in der offiziellen Mission selbstverständlich keine Erwähnung.

Dem Datenkonzern gehört eine beispiellose Sammlung von Informationen. Google und die Konzernmutter Alphabet wissen alles über uns. Dass ihr weltumspannender Überwachungsapparat nicht längst als demokratiegefährdend einem strengen Datenschutzregime unterworfen wurde, liegt wohl an dem weitverbreiteten und allemal festsitzenden Irrtum, alle Google-Angebote seien umsonst. Nein, sie sind nicht die Guten. Die Zeiten sind lange vorbei. Übrigens: Pages und Brins Garagenvermieterin, Susan Wojcicki, führt heute die Konzerntochter YouTube.