Berlin - Die Pläne für den Umbau der Gorkistraße in Tegel nehmen mehr und mehr Gestalt an. Der Neubau eines Karstadt-Warenhauses – dem ersten, an das sich der Konzern nach 30 meistens schwierigen Jahren wagt – soll dabei nur ein Baustein sein. Ziel ist die Wiederbelebung der einst attraktiven Fußgängerzone im Nordwesten Berlins.

Hintergrund des Umbaus ist eine Erkenntnis: Die Zeit der Shopping-Center ist vorbei, nun kommen die Fußgängerzonen wieder, heißt es auf Nachfrage beim zuständigen Bauträger. Das ist insofern bemerkenswert, als dass einer der beiden Partner in Tegel Berlins Shopping-Center-König Harald G. Huth ist. In den vergangenen Jahren entwickelte Huth Einkaufszentren wie Das Schloss in Steglitz, die Gropius-Passagen in Neukölln oder die Mall of Berlin am Leipziger Platz. Geplant oder bereits im Bau sind die Mall of Kudamm sowie das Schultheiss Quartier in Moabit.

30 Prozent mehr Einzelhandelsflächen

Nun will Huth gemeinsam mit dem Stadtplaner und Architekten Sascha Maruhn 250 Millionen Euro in eine Fußgängerzone in Reinickendorf stecken. Dafür soll die Einzelhandelsfläche von 35.000 auf 50.000 Quadratmeter erhöht werden. Unter anderem sollen auf einer Straßenseite die vorhandenen Gebäude aufgestockt werden, außerdem wird die Zahl der Parkplätze von 900 auf 600 reduziert.

Nach und nach werden mehr Details zum Tegel Quartier bekannt, wie es später heißen soll – doch vieles ist noch im Planungsstadium. Erhalten bleiben soll der Standort des Bezirksamts in einem (eher kleinen) Hochhaus an der Gorkistraße. Das Gebäude soll bei laufendem Betrieb umgebaut werden. Ähnlich will man mit den meisten anderen Gebäuden verfahren, die eine neue Fassade erhalten sollen. So sollen auf einer Länge von 500 Metern die eintönigen und in die Jahre gekommenen Fassaden aufgebrochen und kleine, abwechslungsreiche Einheiten geschaffen werden. Einzig abgerissen werden soll ein überdimensioniertes und marodes Parkhaus.

Laufkundschaft der Gorkistraße soll sich verdoppeln

Als Ankermieter ist das neue Karstadt-Haus geplant, das an der Stelle seines Vorgängers entstehen soll. Das später dort eingerichtete Hertie-Kaufhaus wurde 2009 geschlossen und seitdem temporär von Billig-Läden besiedelt. Eine weitere Großbaustelle wird das Tegel-Center auf der anderen Seite. Doch es ist etwa noch nicht entschieden, ob und wo genau die darin enthaltene Markthalle ein neues Domizil erhalten kann.

Die beiden Bauträger sprechen von Stadtreparatur und spekulieren darauf, dass Reinickendorf neben dem nur einige Hundert Meter entfernten Hallen am Borsigturm einen weiteren Einzelhandelsstandort vertragen kann. Die Besucherfrequenz der Gorkistraße soll jedenfalls von heute 15.000 auf 30.000 Passanten täglich steigen. Auch soll ein ansprechender Laden-Mix ein jüngeres Publikum anlocken. Derzeit herrsche auf der Gorkistraße eine besonders hohe Rollator-Dichte, berichten Anwohner.

So oder so sind die ersten Vorboten der neuen Zeit bereits angekommen. So hat der Inhaber eines Fotogeschäfts aus dem Tegel-Center unlängst geschlossen und ist in die benachbarte Grußdorfstraße gezogen. Grund: Sein Vermieter Huth habe die Miete versechsfacht, auf 6 000 Euro für 60 Quadratmeter. „Das kann ich unmöglich bezahlen“, sagt der Händler.