In der Herberge ist ein Zimmer frei - doch nicht alle Gäste dürfen kommen. 
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Swen Pförtner

Die zweite Welle umspült uns und trägt neue Vokabeln heran. Nachdem sich unsere Münder an den täglichen Gebrauch der Begriffe „Abstand“, „Mundschutz“, „Kontaktdaten“ und „Infektionszahlen“ gewöhnt haben, haben wir jetzt das „Risikogebiet“ auf den Lippen. Es ist der Ort, an dem wir leben. Ein Wort, das ich aus der Kriegsberichterstattung kenne, vielleicht noch aus München und Großbritannien. „Grenzkontrollen“ werden noch nicht durchgeführt, wohl aber herrscht vielerorts ein „Beherbergungsverbot“.

Es untersagt uns, an Orten zu übernachten, die außerhalb unseres Risikogebietes liegen, also überall außer Berlin. „Denn sie hatten keinen Raum in der Herberge“, schreibt eine Freundin, und das geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Wir mussten nicht umkehren, nicht weitersuchen, nicht an fremde Türen klopfen. Wir waren informiert, wir haben storniert. Wir wussten, wie bekommen keinen Raum in der Herberge, die uns, denn Gastfreundschaft ist ihr Gewerbe, gerne aufgenommen hätte. Jeden würde sie aufnehmen, egal, woher er oder sie kommt, Buchung vorausgesetzt. Wie abwegig war der Gedanke noch vor wenigen Monaten, die Gastfreundschaft auf Gäste mit der richtigen Postleitzahl zu beschränken. Eine Herberge mit Bedingungen zu sein. Fürwahr, wir leben in gottlosen Zeiten.

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