Berlin - Nachdem am Montag ein jüdischer Schüler in Charlottenburg von Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren geschlagen worden ist, gab es am Mittwoch erneut Übergriffe mit antisemitischen Hintergründen. Auf einem Friedhof in Weißensee wurden mehrere Gräber jüdischer Soldaten geschändet. In Tiergarten erhielt eine 61 Jahre alte Jüdin einen Drohbrief. In allen Fällen hat der Staatsschutz der Polizei die Ermittlungen übernommen. 

Die Grabschändung auf dem Jüdischen Friedhof an der Herbert-Baum-Straße in Weißensee war am Mittwoch gegen 12 Uhr von einem Mitarbeiter des Friedhofs entdeckt worden. Unbekannte hatten drei Grabsteine auf dem sogenannten Ehrenfeld aus der Verankerung gerissen und umgestoßen. Alarmierte Polizisten nahmen die Störung der Totenruhe auf. Auch am Donnerstag lagen die Grabsteine noch immer leicht beschädigt im Gras. Sie sollen in den nächsten Tagen wieder aufgestellt und hergerichtet werden. 

Der jüdische Friedhof in Weißensee ist mit rund 115.000 Grabstellen eine eindrucksvolle jüdische Begräbnisstätte in Berlin. Am 27. Juni 1927 wurde auf dem Friedhof ein 90 x 49 Meter großes Ehrenfeld für die im I. Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten eingeweiht.

Jüdin erhält Drohbrief mit Asche

Beamte des Staatsschutzes beschäftigt zudem ein antisemitischer Vorfall in Mitte. Eine Frau hatte in Tiergarten aufgrund ihres Glaubens einen bedrohlichen Brief erhalten, wie die Polizei mitteilte. Die 61-Jährige hatte am Mittwochnachmittag ihren Briefkasten in einem Mehrfamilienhaus an der Lützowstraße geöffnet und darin einen an sie adressierten Brief gefunden. "Beim Öffnen des Umschlags fand sie darin eine ascheähnliche Substanz", erklärt ein Polizeisprecher. Aufgrund ihres jüdischen Glaubens wertet sie den Brief als Bedrohung und erstattete Anzeige auf einer Polizeidienststelle, hieß es. Es wird nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt. Der Brief wurde als Beweismittel sichergestellt. Gegenüber der Polizei äußerte die 61-Jährige, dass sie keine Ahnung habe, wer ihr das angetan haben könnte. Schließlich würde sie ihren Glauben nicht öffentlich zur Schau stellen, sagte ein Sprecher der Polizei auf Anfrage.