Endlich wieder draußen sitzen. Ohne die zwar längst abgeschwächte, aber im Hinterkopf dennoch leise herumschwirrende Beklommenheit, sich beim Einatmen im eng besetzten Innenraum doch noch das Virus einzufangen, ausgerechnet jetzt, wo die Sonne so schön scheint.

An manchem Ort ist es ein Wiedersehen nach längerer Abstinenz, etwa beim Italiener um die Ecke. Es tut gut, mal wieder ein paar Worte mit dem Kellner zu  wechseln, er ist einer der Söhne des Besitzers. Es ist dieses soziale Miteinander, das eigentlich so normal ist und in den vergangenen beiden Jahren doch immer wieder schmerzlich fehlte.

In einer anderen Gaststätte, einem Café, bedient ein paar Tage später ein neues Gesicht. Sie ist sehr freundlich und zugewandt, wohltuend anders als die vielen genervten Jobber, die keinen Hehl daraus machen, auf Service keinen Bock zu haben. Zwischen Bestellen, Servieren und Bezahlen plaudert sie ein bisschen.

Vormittags öffnen? Kein Personal!

Der Kellner im Restaurant und die Bedienung vom Café haben zweierlei gemeinsam: Sie freuen sich ehrlich, dass ihre Läden wieder gut besucht, die Plätze gut gefüllt sind – und auch bei schlechteren Wetterlagen inzwischen genug Gäste keine Scheu mehr haben, nach drinnen zu gehen.

Aber sie ächzen auch, weil sie schwer schuften müssen und wenig freihaben. Das ist kein Jammern auf hohem Niveau, dem man entgegnen könnte, dass sie doch nach vielen kargen Monaten froh über das aufblühende Geschäft sein müssten. Sie sind einfach abgekämpft, weil es ihnen an Personal fehlt.

Hart sei es, sagt der italienische Kellner. Sind die Leute denn zu unzuverlässig oder zu wenig belastbar? Weder noch, sagt er, es komme gar nicht so weit, das beurteilen zu können. Es sei schwierig, überhaupt Personal zu finden, selbst unqualifiziertes.

Im Café sieht es nicht anders aus. Während hier in Vor-Corona-Zeiten vormittags Frühstück serviert wurde, stehen die Tische draußen jetzt vor 15 Uhr noch zusammengeklappt und angebunden aneinandergereiht vor der verschlossenen Eingangstür. Am Vormittag öffneten sie nur noch am Wochenende, sagt die Bedienung und nennt den Grund dazu: zu wenig Personal.

Viele seien in der Pandemie aus der Gastronomie abgewandert, sagt unser Kellner. Es ist das Klagelied, das seit fast zwei Jahren gesungen wird: Die Leute hätten sich nach Jobs umgesehen, die nicht so abhängig vom Infektionsgeschehen seien. Sie wollten sich nicht sorgen müssen, ihre Jobs im Herbst und Winter wieder zu verlieren, weil die Gäste ausblieben und der Umsatz einbreche.

Er spricht aus, was alle Gastronomen denken: Hoffentlich bleiben wir im nächsten Winter vor harten Einschnitten verschont. Darauf trinken wir – mit einem Grappa aufs Haus.