Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin stellen mehr Gratis-Fahrscheine für Ehrenamtliche bereit. Während sie in den vergangenen vier Jahren insgesamt 10 000 Einzeltickets spendiert hatten, werden es in diesem Jahr 12 000 sein. Das gaben BVG-Finanzvorstand Henrik Falk und S-Bahn-Chef Peter Buchner am Mittwoch bekannt. Sie reagierten damit auf Bitten, weitere kostenlose Fahrkarten zur Verfügung zu stellen. „Die Aufstockung ist absolut gerechtfertigt, weil Ehrenamtliche viele Aufgaben erfüllen“, sagte Falk.

Vielleicht lag es ja an dem selbst gedichteten Loblied, das der Seniorinnenchor Neuköllner Spätlese zu Beginn der Pressekonferenz im Roten Rathaus sang. Es kommt nicht allzu oft vor, dass BVG und S-Bahn in dieser Form gewürdigt werden. „Schon seit Jahren bekommen wir 10 000 Einzelkarten, die tun uns gut, die brauchen wir für unsere Einsatzfahrten“, trugen die bis zu 93 Jahre alten Frauen mit allerlei „fallerie, fallera“ vor. Danach teilte Ruth Keseberg-Alt, die Krebskranke und deren Angehörige berät, ihre Sicht der Dinge mit. „Es gibt viel versteckte Armut,“ sagte sie. Manche Ehrenamtliche könnten sich nicht viele Bus- und Bahnfahrten leisten. „Weiter so, wir können es brauchen.“

Ganz sicher trug Sozialsenator Mario Czaja zur spontanen Zusage der beiden Verkehrs-Manager bei. Denn der CDU-Politiker gab ihnen zu bedenken, dass die Nachfrage nach den kostenlosen Fahrkarten viel höher als das Angebot sei. Schließlich gebe es in der Stadt rund 30 000 Ehrenamtliche, sagte Oswald Menninger, Geschäftsführer des Berliner Landesverbands des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Er kündigte an, dass die Stiftung des Verbands ihren Teil leisten wolle, dass diese Menschen mobiler werden: „Wir werden tausend Monatskarten zur Verfügung stellen.“

200 Einrichtungen profitieren

Die Gratistickets gibt es nicht frei am Schalter, sondern sie werden über die Stadtteilzentren verteilt, weil dort ein Großteil der ehrenamtlichen Arbeit organisiert wird. Rund 200 Einrichtungen und Träger sozialer Maßnahmen profitieren in Berlin von der Spende. Der Wohlfahrtsverband muss der BVG und der S-Bahn Rechenschaft darüber ablegen, wer die Fahrkarten bekommt. „Es gibt sie es zum Beispiel für Vorlesepartner an Grundschulen, Hausaufgabenbetreuer und für Menschen, die Migranten zu Ämtern begleiten“, so Czaja. Menschen mit geringem Einkommen profitieren, Erwerbslose, aber auch Schülerinnen und Schüler.

Gut möglich, dass die Zahl der Gratistickets in Zukunft weiter steigt. Falk: „Spätestens in fünf Jahren werden wir uns über eine weitere Aufstockung unterhalten.“