Parallel zur Berlinale entstand vor drei Jahren in Berlin ein zeitgleich ausgetragenes Filmfestival: die Boddinale. Der Name ist von der Neuköllner Boddinstraße abgeleitet, in der das alternative Filmfestival in diesem Jahr vom 5. bis 15. Februar stattfindet. Die Filme werden im Loophole gezeigt, einem Freiraum für Künstler. Seit diese den Kreativraum bespielen, gibt es auch jährlich die Boddinale.

Das Besondere an dem alternativen Festival, das ohne große Werbung auskommt, ist der Fokus auf Berlin. Gezeigt werden hauptsächlich Filme, die hier gedreht wurden oder von Berliner Filmemachern stammen. Mehr als 80 Produktionen umfasst das zehntägige Programm. Dafür stehen insgesamt fünf Vorführräume bereit, drei im Loophole (etwa 100 Sitzplätze) und zwei in der Galerie-Ba Kaleidoskop (etwa 80 Sitzplätze).

Zu sehen sind Spielfilme, Dokumentarfilme, Kunstfilme und Kurzfilme, unter anderem von Regisseuren aus Israel, New York, Russland, Italien oder Frankreich. Der einzige Regisseur aus der langen Liste der Teilnehmer, der noch nie in Berlin war, ist Tiyam Yabandeh aus dem Iran. Sein 15-minütiger Film "Rangan 99" erzählt die Geschichte zweier Soldaten im Iran-Irak-Krieg und wird am Eröffnungstag, dem 5. Februar, präsentiert.

"Berlin spricht Wände" heißt der Filmbeitrag von Markus Muthig, der Einblick in die Berliner Street-Art-Szene gibt. Mit den Worten “Eine leere Wand ist ein schweigsames Bild" beginnt die 80-minütige Doku über Graffiti und die Künstler, die diese anfertigen. Apropos Street Art: Auch über eines der bedeutendsten Berliner Wandbilder, das vor einigen Wochen übermalt wurde, gibt es einen Film.

Das über Berlin hinaus bekannte Werk des Künstlers Blu an der Cuvrybrache ist heute nur noch ein schwarzer Fleck auf einer Hauswand. Wie es zu der Nacht- und Nebelaktion kam und wer das Wandbild übermalt hat, erklärt am Donnerstag erstmals die Kurzdokumentation "BLU murals painted black _cuvrystrasse 11.12.2014". Eine weitere Weltpremiere wird es mit dem Film "Der Typ ist weg" geben, der in den Straßen Neuköllns gedreht wurde.

Von Katharina Marie Schubert stammt der fiktive Kurzfilm "Another Fucking" - ein Stück übers Erwachsenwerden, über die Großstadt und den (Un-)Sinn von Alkohol. Und mit der schwierigen Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt hingegen befasst sich Dominik Siegmanns Beitrag "Schoener Wohnen".

Muslim-Liebe und Verwirrung in Berlin

Der deutsch-türkische Regisseur Murat Ünal ist bisher für seine Youtube-Reihe "Tiger - die Kralle von Kreuzberg" bekannt, in der der Protagonist prollomäßig durch seinen Kiez zieht und für Chaos sorgt. Bei der Boddinale wird Ünals Debüt "Invisible Me" gezeigt - ein Muslim verliebt sich darin in eine Nicht-Muslimin.

„Invisible Me“ ist ein Kurzfilm über den Culture Clash zwischen abendländischer und orientalischer Welt, der den Alltag junger Muslime in Deutschland begleitet. Ihre Konflikte liegen nicht zwischen „wir“ und „die Anderen“, sondern in ihnen selbst: Dabei geht um Sehnsucht und Einsamkeit.

Für die Organisatoren, die das Festival zum dritten Mal auf die Beine stellen, dient die Boddinale vor allem der Vernetzung. Der Eintritt ist frei. "Es geht darum, Menschen kennenzulernen und Berliner Künstler zu unterstützen", erklärt Mit-Organisator Zoran Stevanovic. Über Geldspenden freue man sich trotzdem. Nach den Filmvorstellungen gibt es täglich Aftershowpartys, so zum Beispiel am 14. Februar eine Burlesque-Party. Zudem werden viele der Filmemacher persönlich anwesend sein und Fragen zu ihren Filmen beantworten.

In den vergangenen beiden Jahren kamen rund 1500 Besucher zur Boddinale. Wer sicher gehen will, dass er auch einen Platz ergattert, sollte pünktlich gegen 18 Uhr zu den Filmvorführungen erscheinen, rät der Veranstalter. Am 15. Februar werden abschließend die Publikums- und Jurypreise vergeben. Das Publikum kann vorab jeden Abend über die "Boddinale Community Awards" abstimmen.

Die Boddinale ist bisher noch ein Geheimtipp in der Berliner Filmfestivallandschaft. Doch das könnte sich in den nächsten Jahren ändern. Man sei offen dafür, dass Festival zu vergrößern und auf andere Locations auszuweiten. Als Gegenveranstaltung zur gleichzeitig stattfindenden Berlinale sieht sich die Boddinale aber nicht.

"Wir wollen eher eine Alternative bieten", so Stevanovic. Für den Bezirk Neukölln ist die Boddinale vor allem eine kulturelle Bereicherung. "Das Festival wird auch vom Neuköllner Quartiersmanagement positiv aufgenommen", sagt der Veranstalter.

Boddinale Filmfestival, 5. bis 15. Februar 2015, täglich von 18 bis 23 Uhr im Loophole (Boddinstr. 60) und im Kaleidoskop (Boddinstr. 7), Eintritt frei. Das komplete Programm: 2015.boddinale.com