Berlin - Die 7. Mordkommission ermittelt seit dem Wochenende in einem mysteriösen Todesfall. Bei der Entrümplung einer Wohnung an der Emser Straße in Neukölln hatten Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma am Freitagabend menschliche Knochen entdeckt. Sie lagen zwischen Abfall, Kartons und Mülltüten. Die Entsorger riefen die Polizei. Die Staatsanwaltschaft ordnete die sofortige Untersuchung an, die jedoch zunächst nicht viel gebracht habe, wie es am Sonntag hieß. Nicht einmal das Geschlecht sei bislang eindeutig festgestellt worden; dafür seien weitere Untersuchungen nötig. Ungeklärt sind auch Ursache und Zeitpunkt des Todes sowie die Frage, ob es sich um ein komplettes Skelett handelt. Es gebe jedoch Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen, hieß es. Nähere Einzelheiten teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag nicht mit. Die starke Verwesung könne dazu geführt haben, dass einzelne Knochen abgetrennt wurden. Allerdings könnte die Leiche auch zerstückelt worden sein, so ein Fahnder.

Stark verwahrloste Wohnung

Die 48 Quadratmeter große, stark verwahrloste Wohnung befindet sich in der zweiten Etage im Hinterhaus eines Altbaus. Die Wohnung sollte im Auftrag der Hausverwaltung entrümpelt werden. Mieter hatten sich über üblen Gestank beschwert. Wie Nachbarn berichten, hatte zuletzt der 57 Jahre alte Wolfgang L. in den zwei Zimmern gewohnt. Er sei ein Eigenbrötler gewesen, habe sehr zurückgezogen gelebt, hieß es. Unterschiedliche Angaben gab es zu der Frage, wann Wolfgang L. zuletzt gesehen wurde. Bei einem Nachbarn war dies vor einem viertel Jahr, bei anderen war dies „mehr als ein Jahr“ her. Die verschiedenen Aussagen erschweren die Ermittlungen. Das ganze Wochenende waren Fahnder in der Nachbarschaft unterwegs.

Dabei zeigten sie den Befragten auch ein Foto, auf dem eine Frau zu sehen ist. Sie soll bis vor wenigen Wochen regelmäßig in der Wohnung gewesen sein. Ob sie mit der Leiche lebte oder nicht wusste, dass menschliche Knochen unter dem Müll lagen, ist unklar. Die Frau ist noch nicht befragt worden. Auf dem Foto soll auch ein Mann zu sehen sein, der den Mieter Wolfgang L. wegen des Gestanks angezeigt haben soll. Mysteriös für die Polizei ist auch, dass L.’s Briefkasten offenbar regelmäßig gelehrt wurde. Ob für die Wohnung pünktlich Miete gezahlt wurde und von wem, wurde am Sonntag nicht bekannt.

Bei ihren Ermittlungen prüfen die Fahnder nun auch, ob es Parallelen zu einem weiteren Mordfall an der Emser Straße gibt. Vor gut sechs Jahren war dort die Leiche des 68 Jahre alten Franz Quenstedt in dessen Schusterwerkstatt entdeckt worden. Der Mann, der wegen geringer Rente noch arbeiten musste, war Opfer eines Raubmordes geworden. 5 000 Euro Belohnung wurden für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung des Mordes führen. Bislang hat sich niemand gemeldet.