Elmar Jehn (links) und Jochen Arntz mit Gregor Gysi.
Foto: Berliner Zeitung

Herr Gysi, wie viel geben Sie monatlich für Lebensmittel aus?

Das ist schwer abzuschätzen, da ich abends häufig in Restaurants essen gehen muss, wenn ich im Lande unterwegs bin. Und das Frühstück – eine Mahlzeit, die ich sehr schätze – genieße ich so ebenfalls häufig im Hotel. Insofern kann ich gar nicht sagen, wieviel mich die Lebensmittel kosten, die ich in einem Monat esse. Aber meine Lebensweise trägt Ausnahmecharakter.

Wo kaufen Sie ein – Markt, Bioladen oder Supermarkt?

Wochenmärkte mag ich, die schaue ich mir im Urlaub gern an und kaufe auch etwas. Aber im Alltag komme ich nicht dazu. Deshalb bleiben mir Bioläden und Supermärkte, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich auch bemühen, ihren Kunden ein gutes, gesundes und frisches Lebensmittelangebot zu präsentieren.

Regional, saisonal oder eher egal – wie wichtig ist Ihnen die Herkunft der Lebensmittel?

Natürlich ist es wünschenswert, dass Lebensmittel keine langen Transportwege haben. Aber Bananen oder Orangen wachsen nun einmal nicht bei uns und ich hielte es für falsch, deshalb auf ihr Angebot zu verzichten. Entscheidend ist, dass die Lebensmittel unter vernünftigen umweltschonenden Bedingungen erzeugt werden und die Erzeugerinnen und Erzeuger auch davon leben können. Fair trade wäre ein Stichwort dazu. Richtig ist, dass nicht jedes Obst und Gemüse das ganze Jahr über vorrätig sein muss, man als Kunde nicht aus dem Blick verliert, was saisonal überhaupt erzeugt werden kann. Zum Bespiel schmecken Kirschen und Erdbeeren nur in ihrer Zeit. Nur dann kaufe ich sie auch. Bei Spargel wird die Saison einigermaßen beachtet, warum sonst nicht?

Wundern Sie sich auch manchmal, wie günstig es zuweilen im Supermarkt ist?

Wenn 10 Eier für einen Euro zu haben sind, kann man sich vorstellen, was das für die Tierhaltung und die Beschäftigten bedeutet. Darunter leidet letztlich auch die Qualität der Produkte. Der Preisdruck der großen Supermarkt-Ketten sorgt zwar für billige, aber am Ende eben auch geschmacklich minderwertige Lebensmittel. Er erhöht den Zwang zu großen Produktionsmengen mit dem entsprechenden Ressourcenverbrauch. Diese Spirale sollten wir nicht weiterdrehen.

Viele Experten beklagen, dass die Deutschen zu wenig für Lebensmittel ausgeben und die Qualität darunter leidet. Andererseits: Viele Menschen müssen einfach den Cent zweimal umdrehen. Ist Ernährung auch eine soziale Frage?

Selbstverständlich, deshalb muss die Forderung, dass die Menschen mehr Geld für ihre Lebensmittel ausgeben müssten, zur gleichzeitigen Forderung führen, sie auch in die Lage dazu zu versetzen. Wer sich also zum Schutzheiligen der Nackensteakesser erklärt und gleichzeitig will, dass die Bauern von ihrer Arbeit leben können, ohne dass die Umwelt leidet, muss zum Beispiel den Mindestlohn und andere Löhne deutlich anheben, insgesamt den Niedriglohnsektor zurückdrängen, eine angemessene Mindestrente einführen und auch Harz IV erhöhen.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will das Preisdumping bei Lebensmitteln stoppen. Ein richtiger Schritt?

Dafür müsste sie sich sowohl mit den Supermarktketten als auch den großen Lebensmittelkonzernen anlegen, was bisher – zurückhaltend ausgedrückt – nicht unbedingt als Stärke der Regierung bekannt ist.

Mal abgesehen von der Currywurst: Mit welchem preiswerten Essen kann man Sie glücklich machen?

Eine mit gut gewürztem Hackfleisch gefüllte Paprikaschote ist etwas Leckeres und bleibt preislich auch im Rahmen. Und noch besser ist – das kann ich sogar selbst kochen.