Vor dem Drogeriemarkt DM am Kurfürstendamm werden Kunden durch das Sicherheitspersonal nur einzeln eingelassen.
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BerlinBegrenzte Kunden-Anzahl im Geschäft und rationierte Mengen Klopapier: Berlins Bau- und Supermärkte rüsten sich gegen das Coronavirus. Während viele andere Geschäfte sowie alle Bars und Kneipen ganz schließen mussten, reißen die Hamsterkäufe in den Geschäften, die der Berliner Senat vom Corona-Schließbefehl ausgenommen hat, nicht ab.

Für die Angestellten in Verkauf und Logistik herrschen seit Wochen Ausnahmezustände. Wie erschöpft die Branche ist, zeigt, dass sie ein sonst verlockendes Angebot beinahe geschlossen ausschlagen wird: Von 12 bis 18 Uhr an diesem Sonntag hat der Senat unter anderem Super- und Baumärkten erlaubt zu öffnen. Doch die wollen gar nicht.

Man halte eine Erweiterung der Öffnungszeiten nicht für notwendig, teilte die Supermarktkette Edeka der Berliner Zeitung am Freitag mit. „Schon jetzt sind viele Kollegen an den Grenzen ihrer Belastbarkeit.“ Ganz ähnlich klingt es von der Baumarktkette Obi, die in vielen Filialen nur noch 100 Kunden gleichzeitig ein lässt: „Wir wollen eine zusätzliche Belastung für unsere Mitarbeiter vermeiden.“

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Berlin-Brandenburg, schätzt, dass die meisten Geschäfte geschlossen halten, um für Ordnung zu sorgen. Er bitte um Verständnis. Man habe so turbulente Tage hinter sich, da „müssen wir mal Kraft schöpfen“. Lediglich einige „kleinere Einzelkämpfer“ würden am Sonntag wohl die Gelegenheit nutzen. Berlinern empfiehlt er, schon vorher einzukaufen: „Gehen Sie lieber heute oder morgen noch mal und besorgen Sie, was Sie brauchen.“

Was sie brauchen – das ist allerdings ein weit auslegbarer Begriff. Immer mehr Supermärkte in Berlin weisen Höchstmengen aus, damit nicht wenige Kunden alle Bestände an Artikeln wie Klopapier und Nudeln aufkaufen. Man müsse den „Abverkauf einiger Artikel leider limitieren“, fordert ein Supermarkt auf einem Aushang an der Kasse. Und listet auf: Maximal drei Konserven von jeder Sorte, eine Packung Klopapier, zwei Pakete Mehl, und so weiter.

Ungewohnte Stimmung

In den Geschäften nimmt Nils Busch-Petersen eine gestiegene Aggressivität der Kunden war. „Die Menschen wollen die Mengenbeschränkungen nicht einhalten.“ In anderen Städten Deutschlands berichtet die Polizei bereits von handgreiflichen Auseinandersetzungen in der Schlange oder vor den Regalen. In Würselen bei Aachen wurde in der Nacht zu Freitag gar die Scheibe eines Autos eingeschlagen – das heiß begehrte Diebesgut: zwei Pakete Klopapier zu acht Rollen, wie das ZDF berichtete.

Busch-Petersen bittet eindrücklich um Rücksichtnahme und Solidarität. Die Angestellten in Logistik und Verkauf stünden extrem unter Druck. Und für Kämpfe um Nahrungsmittel gäbe es schlicht keinen Grund: „Die Grundversorgung werden wir immer gewährleisten.“ Lücken in den Regalen gebe es zurzeit maximal wegen der hohen Zahl von Hamsterkäufen. Sie stellten die Märkte vor logistische Herausforderungen. „Aber wenn es Lücken gibt, schließen wir sie.“

Immer mehr Kunden schwenken aber auch um: Eismann, von vielen fast vergessener Tiefkühlfrost-Lieferant, meldet zurzeit so hohen Absatz „wie nie zuvor“. Mancher Kunde bestelle für mehr als 400 Euro, um die heimische Eistruhe bis zum Anschlag aufzufüllen. Doch auch bei Eismann wird Solidarität gerade groß geschrieben: „Großbestellungen werden nachrangig behandelt“, teilt das Unternehmen mit.