Berlin - Ali Gülbol hat schon lange nicht mehr im Tiergarten gegrillt. Er geht in der Sommersaison jetzt lieber mit Familie und Freunden auf das Tempelhofer Feld. Dort gebe es ausreichend Mülltonnen und auch extra Metall-Container, in denen man die Kohlereste entsorgen könne: „Das ist eine gute Lösung.“ Manche ließen ihren Müll trotzdem liegen. Gülbol findet das ärgerlich. Er spricht die Leute dann an. Die meisten nähmen ihre Sachen danach mit. „Wenn man redet, funktioniert das schon“, sagt der 40-jährige Kreuzberger. Deswegen kann er nicht verstehen, wieso das Grillen im Tiergarten von der neuen SPD-CDU-Koalition im Bezirk Mitte am Donnerstag verboten werden soll. „Das wäre schade. Da kommen viele Nationalitäten zusammen. Das muss doch anders gehen.“

Geht es auch. Dafür sind die Parkanalgen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof nicht das einzige, aber ein besonders eindrückliches Beispiel. „Wir sind zufrieden mit unseren Besuchern. Sie hinterlassen die Plätze recht sauber“,  sagt Michael Krebs. Krebs ist der für Tempelhof zuständige Parkmanager der  städtischen Grün Berlin GmbH, die auch den Britzer Garten und die Gärten der Welt betreut. „Wir haben ein ausgeklügeltes Müllmanagement entwickelt und damit gute Erfahrungen gemacht“, sagt Krebs. Dazu trage bei, dass der beauftragte Dienstleister für das Tempelhofer Feld bei Bedarf auch am Wochenende die Müllcontainer leere. „Wo erst einmal ein Müllberg entstanden ist, da wächst er schnell.“ Dieses Phänomen lässt sich im Tiergarten besonders gut beobachten.

Kosten einsparen

In Tempelhof sind drei Grillplätze auf einer Fläche von rund fünf Hektar ausgewiesen. Im Tiergarten sind es 20 Hektar. Im vergangenen Jahr hat Parkmanager Krebs für die gesamte Müllentsorgung auf dem seit Mai geöffneten, 303 Hektar großen und gut besuchten Areal 60.000 Euro ausgegeben. Für das Jahr 2011 rechnet er mit Kosten von rund 80.000 Euro.

Im Tiergarten sind es jährlich 300.000 Euro, die nach Angaben des Bezirks Mitte für die Beseitigung nur des Grillmülls ausgegeben werden müssen. Mit dem Ziel, diese Kosten einzusparen, wird die Verbotsinitiative begründet. Mitten im Winter soll die neue Bezirksverordnetenversammlung mit der Mehrheit von SPD und CDU  schon jetzt, als erste Amtshandlung, das Grillverbot für das kommende Jahr besiegeln. Im Moment scheint das Thema nicht so heiß. Trotzdem sind von diesen Plänen nicht nur ganz normale Grillfreunde wie Ali Gülbol irritiert.

Diverse türkischen Vereine und Initiativen setzen sich dagegen zur Wehr. Sogar die Junge Union Berlin hat ihre in Kürze mitregierende Mutterpartei schon aufgefordert, die Parteifreunde im Bezirk Mitte zu stoppen. Für die Jugendorganisation der CDU ist das Tiergarten-Grillen vor dem Schloss Bellevue Teil des Berliner Lebensgefühls, zu dem keine strengen Verbote passen. Nicht zuletzt war es der amtierende Hausherr, Bundespräsident Christian Wulff (CDU), der vor gut einem Jahr mit dem Satz „der Islam gehört zu Deutschland“ für Aufsehen sorgte. Wie Wulff zum Grillverbot vor seiner Haustür steht war vom Präsidialamt nicht zu erfahren.