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Die Sonne hat am Wochenende aus den Berlinern andere Menschen gemacht. Wer am Sonnabend und Sonntag in der Stadt unterwegs war, sah in lächelnde Gesichter. Viele Menschen trugen Sonnenbrillen, einige saßen sogar in kurzen Hosen oder Röcken und T-Shirts in den Straßencafés der Stadt und auf Parkbänken. Berliner und Touristen sonnten sich auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude, Am Lustgarten und auf dem Schlossplatz. Alle wirkten so entspannt.
Die Temperaturen erreichten Rekordwerte: Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, wurde am Sonnabend die bisherige Maximaltemperatur von 20,1 Grad für einen 17. März überschritten.

Frühere Grillwiese blieb leer

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Trotz des frühlingshaften Wetters am Wochenende blieb die sonst bei Grillern beliebte Wiese im Großen Tiergarten an der John-Foster-Dulles-Allee weitestgehend leer. Denn auf dem bisher beliebtesten Grillplatz der Stadt ist das Braten von Fleisch, Wurst und Gemüse seit Jahresanfang verboten. Mitarbeiter des Ordnungsamtes Mitte kontrollierten, ob sich alle Besucher an das neue Verbot halten.

Doch die Ordnungsamtsmitarbeiter hatten nicht viel zu tun. Die wenigen Parkbesucher, die ihre Grillkohle schon angezündet hatten, mussten die Glut sofort löschen, die Ordnungshüter beließen es noch bei einer Verwarnung. Sie informierten auf mehrsprachigen Zetteln über das neue Grillverbot. „Genießen Sie im Tiergarten und bereiten sie bitte ihre warmen Speisen und Getränke zu Hause zu“, stand wortwörtlich auf den Flyern, ebenso eine Liste mit den verbleibenden Grillplätzen in der Stadt.

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Nur wenige Menschen saßen auf der früheren Grillwiese. Sie reagierten unterschiedlich auf das neue Verbot. „Ich kann das verstehen“, sagt ein Mittdreißiger aus Spandau, der mit seiner Familie beim türkisch gebrühten Tee sitzt, den er auf einem Kocher erhitzt hat. „Es war nicht mehr schön, im Müll zu sitzen“, sagt er. In ihren Picknickkörben hat die Familie Süßigkeiten, Kekse und Brause. Die Kinder spielen Ball. „Es geht auch mal ohne Grill“, sagt der Mann. Ein paar Meter weiter sitzen zwei befreundete Paare, die sich aus Mazedonien kennen, auf Campingstühlen um einen Klapptisch. Sie spielen Rommé und ärgern sich über das Verbot. „Wo sollen wir denn jetzt hin?“, regt sich die Frau auf. An der Kühltasche lehnt der zusammengepackte Grill, daneben steht ein Topf mit dem eingelegten Fleisch. „Woher sollen wir denn wissen, dass Grillen hier verboten ist?“, fragt sie und zeigt auf das verbeulte Schild am Rand der Wiese, die zur John-Foster-Dulles-Allee führt. „Liegewiese“ steht dort. An allen Wegen sind Hinweisschilder „Grillen verboten“ angebracht.

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Bereits im November 2011 hatte das Bündnis aus SPD und CDU im Bezirksparlament Mitte das Grillen im Großen Tiergarten verboten. Damit endete eine Tradition für Zehntausende Berliner, darunter viele türkische und arabische Familien, die vor allem an den Wochenenden die 20 Hektar große Grillfläche genutzt hatten. Obwohl auf der Wiese große Container standen, hatten die Besucher riesige Müllberge hinterlassen, teilweise hatten ihre Grillkohle in die Büsche geschüttet. 300 000 Euro kostete die Müllbeseitigung jedes Jahr. Das war zu viel Geld für den Bezirk. Aus diesem Grund hat nun auch Treptow-Köpenick zum 1. April das Grillen im Treptower Park verboten.

Wo kann man in der Hauptstadt noch grillen? Schicken Sie uns Ihre Ideen für schöne Plätze, gerne mit Foto an: berliner.ztg@googlemail.com