Jüterbog - Der riesige Waldbrand, der seit Montag auf einem einstigen Manövergebiet bei Jüterbog (Teltow-Fläming) wütet, war am Mittwochmorgen schon fast gelöscht. Denn der Tag davor war fast windstill gewesen, und die Einsatzkräfte kamen schnell voran. Doch dann stieg die Sonne immer höher, und es wurde wieder fast 35 Grad heiß.

Und dann kam auch noch Wind auf. All das sorgte dafür, dass überall wieder Glutnester aufflammten und sich das Feuer weiter nach Südwesten durch den Wald fraß. „Wäre der Wind wie Dienstag geblieben, wäre alles kein Problem“, sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) vor Ort.

Der Rauch zieht bis Berlin

Die Feuer etwa 70 Kilometer südlich von Berlin brennen in einem mehr als 600 Hektar großen Gebiet. Es ist nach Einschätzung des Potsdamer Umweltministeriums der größte Waldbrand im Land seit der Wende. „Größere Brände gab es nur in den 70er-Jahren“, sagte der Referatsleiter Wald und Forstwirtschaft, Carsten Leßner.

Am Mittwoch zog der Rauch vor allem über die Dörfer Frankenfelde und Felgentreu. Die Bewohner wurden nachdrücklich dazu aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Brandgeruch war aber auch bis Potsdam und Berlin zu riechen. Am Mittwochabend hieß es bei den Einsatzkräften: Die größte Gefahr für die Dörfer sind gebannt. Eine Gefahr für Anwohner bestehe derzeit nicht.

Als Reaktion auf die vielen großen Brände, die bereits zum Beginn des Sommers große Schäden anrichteten, fordert die Grüne Jugend nun die Ausrufung eines „landesweiten Klimanotstandes“. Philipp Maaßen, der aus dem betroffenen Kreis Teltow-Fläming stammt, sagte: „Die Häufigkeit und Intensität der Brände nimmt mit dem Voranschreiten des menschengemachten Klimawandels drastisch zu.“ Bei einem Klimanotstand müssten alle Gesetze auf die Folgen für das Klima geprüft werden, bevor sie beschlossen werden.

Die AfD forderte am Mittwochabend, dass die Landesregierung eigene Löschflugzeuge anschafft und dass die Bundeswehr für die Brandbekämpfung angefordert wird.

Das Hauptproblem bei Jüterbog ist, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz noch immer Alt-Munition von den Militärübungen der vergangenen Jahrzehnte im Boden liegt. Auch am Mittwoch gab es Explosionen durch das Feuer. Es gilt als fast unbezahlbar und würde Jahrzehnte dauern, alles zu beräumen. Deshalb ist das riesige Gelände eine Sperrzone.

Dort konnten die 120 Feuerwehrleute also vielerorts wegen der Explosionsgefahr nicht wie üblich mit ihren Fahrzeugen zum Feuer. Für sie heißt es „Verteidigung“. Das heißt: Die Löschfahrzeuge fahren über bereits munitionsberäumte Wege oder spezielle Waldbrandschutzstreifen und verteilen von dort aus Wasser, damit sich das Feuer nicht ausbreitet.

Das Löschen übernehmen derzeit zwei Löschhubschrauber der Bundespolizei. Aus riesigen Becken wird immer wieder Wasser in Säcke gefüllt, in die bis zu 7000 Liter passen. Das Wasser wird von den Helikopter über das Feuer gebracht und abgeworfen. Waldfachmann Leßner sagte am Abend, der Brand laufe derzeit nicht über den Truppenübungsplatz hinaus. „Das kann sich aber jeden Moment ändern.“

Brände wüteten auch bei Hennickendorf (Teltow-Fläming). Dort standen 60 Hektar Wald in Flammen. In der Lieberoser Heide (Dahme-Spreewald) gab es einen kleineren Brand. Etwas Hoffnung machte den Einsatzkräften, dass für Donnerstag große Gewitter angekündigt sind.  

Weiterer Brand bei Lübbenau

Bei Lübbenau im Spreewald (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) hat ein Hektar Ödland und Wald gebrannt. Die Feuerwehr war am Mittwochmittag an der Bundesautobahn 15 mit mehr als 20 Kräften und neun Fahrzeugen im Einsatz, wie eine Sprecherin berichtete. Demnach waren die Flammen nach knapp einer Stunde wieder unter Kontrolle. Zuerst habe ein Stück Ödland am Parkplatz Belten gebrannt. Anschließend hätten die Flammen auf einen Wald übergegriffen. (mit dpa)