Berlin - Für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) beginnt auf der Großbaustelle der künftigen U-Bahn-Linie 5 an der Kreuzung Unter den Linden Ecke Friedrichstraße eine neue Etappe: Voraussichtlich ab der kommenden Woche werden zwei Vereisungsanlagen samt Stickstoffsilo und ein 14 Meter hoher Schornstein installiert. „Wir kühlen dann den Boden mit einem Stickstoffgemisch auf etwa minus zehn Grad herunter und vereisen ihn“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Durch die Vereisung werde der schwierige Baugrund stabilisiert. „Der Boden kann nicht wegrutschen.“

Mit dem Verfahren hat die BVG gute Erfahrungen gemacht – beim Bau des U-Bahnhofs am Brandenburger Tor. Nun wird es in der Friedrichstraße eingesetzt. Dort entsteht zwischen Hotel Westin Grand und Lindencorso der Teil des neuen Kreuzungsbahnhofs Unter den Linden für die Linie U6. Der U-Bahn-Verkehr ist seit 1. Juli 2012 zwischen Französischer und Friedrichstraße unterbrochen. Wie Reetz sagt, seien die Wände für den neuen Tunnel fertig, ebenso die Sohle unter dem neuen Bahnhof. Die Vereisung sei zudem notwendig, um das Erdreich bei der Verbindung von Bahnhof und U6-Tunnel zu stabilisieren.

Auch oberirdisch sind Fortschritte erkennbar: Nachdem riesige Bagger das schlammige Erdreich monatelang durchwühlt haben, wird jetzt die Baustelle in der Friedrichstraße mit einer Art Deckel verschlossen. Darunter soll später das Erdreich ausgehoben und der neue Bahnhof gebaut werden. Wie Reetz sagt, soll der Deckel bis zum Sommer fertig sein und in der Friedrichstraße wieder eine Fahrbahn angelegt werden. Ab Mitte August soll die Friedrichstraße für den Autoverkehr freigegeben werden, ab Oktober soll die U6 wieder durchfahren. „Wir sind im Moment voll im Zeitplan“, so Reetz.

Beton im Abwasserkanal

Doch nicht alles läuft nach Plan: Mitte Januar gab es auf der Baustelle eine Panne. So floss bei den Arbeiten Beton nicht nur an die dafür vorgesehenen Stellen, sondern auch in einen Abwasserkanal der Wasserbetriebe in der Behrenstraße. Dort ist jetzt ein 300 Meter langer Abschnitt verstopft, ebenso die Zuleitungen aus neun Häusern, darunter auch der Komischen Oper.

Laut BVG wurden im Zuge des U5-Baus viele Strom- und Wasserleitungen umgelegt, dieser Kanal aber sei nicht verzeichnet gewesen. Die Wasserbetriebe wollen die Verstopfungen schnellstmöglich beseitigen. „Wir versuchen, den Beton aus dem Kanal herauszufräsen. Geht das nicht, müssen wir die Strecke aufgraben und den Kanal erneuern“, sagt Sprecherin Astrid Hackenesch-Rump.

Wie BVG-Sprecherin Reetz sagt, sind in der Friedrichstraße die lauten oberirdischen Arbeiten vorbei. So eine Großbaustelle sei für die Anlieger eine Belastung, so Reetz. „Die Anrainer sind genervt, aber es gibt keine wirklich großen Konflikte.“

„Wir haben natürlich zu kämpfen“, sagt Rainer Bangert, Generalmanager des Westin Grand. „Unsere Zimmer zur Friedrichstraße sind nur mit sehr viel Fingerspitzengefühl vermittelbar.“ Etwa 150 der 400 Zimmer seien von der Baustelle betroffen. Sie werden nur dann vermietet, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Ob es wegen Umsatzrückgängen aufgrund der U5-Baustelle einen Anspruch auf Entschädigung für die Anrainer gibt, ist unklar. Im vergangenen Jahr hatte das Bundesverwaltungsgericht die Klagen mehrerer Anrainer wie Hotel, Lindencorso und Rosmarin-Karree als unbegründet abgewiesen. Die Richter hielten das Schutzkonzept für ausreichend. Unter anderem wurden die Arkaden mit Holzplatten abgedichtet, die Fußgänger sind so vor Baulärm und Dreck geschützt. Dennoch zeichnen fünf Messmikrofone täglich den Lärm auf der Baustelle auf. Auch mögliche Erschütterungen und Veränderungen werden von Sensoren überwacht. „Für uns ist das Wichtigste, dass der Zeitplan eingehalten wird. Wir sind guter Dinge, dass die lauteste Bauphase vorbei ist“, sagt Hotelchef Bangert.