In einem Kreuzberger Haus sind mehrere leer stehende Wohnungen besetzt worden. Mitglieder einer „Hausprojektgruppe Großbeerenstraße“ waren am Samstagnachmittag in das Haus eingedrungen. Nach eigenen Angaben halten sie sich in zwei Wohnungen auf.

Die Polizei räumte die Wohnungen nicht, weil der Eigentümer des Hauses Großbeerenstraße 17a die Besetzer vorläufig duldet. Andernfalls hätte die Polizei die „Berliner Linie“ angewandt, wonach besetzte Häuser innerhalb von 24 Stunden geräumt werden, wenn die Hauseigentümer keine Duldung aussprechen.

"Schluss mit der Berliner Linie!"

Vor dem Haus versammelten sich Demonstranten mit Plakaten, auf denen stand: „Wohnraum ist keine Ware“, „Wohnungen für alle“ oder „Spekulation stoppen, Leerstand besetzen“. In einer Rede aus einem offenen Fenster heraus verlangten die Besetzer, der Wohnraum müsse an sie übertragen werden. Sie forderten: „Schluss mit der Berliner Linie!“

Eigentümer des Haues ist die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH. Gesellschafter sind die katholischen Erzbistümer und Bistümer Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier. Die Besetzer erklärten, sie hätten die Eigentümerin in der Vergangenheit mehrmals um ein Gespräch über die Nutzung des leer stehenden Wohn- und Gewerberaumes ersucht. Nach anfänglicher Gesprächsbereitschaft sei der Kontakt abgebrochen worden. Der Bezirk hatte den Leerstand zeitweise genehmigt, weil der Eigentümer erklärte, er wolle das Haus sanieren.

Der „Herbst der Besetzungen“

Erst am Freitag hatten linke Gruppen an der Reichenberger Straße in Kreuzberg ein ehemaliges Umspannwerk besetzt. Dort will Google seinen Campus errichten und unter anderem junge Start-ups ansiedeln. Mit der Aktion wollten die Besetzer „gegen die explodierenden Mieten“ vorgehen und den Ort „für etwas Besseres“ öffnen.

Die Aktion dauerte nicht lange. Denn mit dem Einverständnis des Eigentümers wurde das besetzte Gebäude von der Polizei umgehend geräumt. Mehrere Besetzer wurden festgenommen. Die Besetzungen sind Teil einer von der linken Szene organisierten Kampagne unter dem Motto „Herbst der Besetzungen“.