Demonstranten des linken Blockupy-Bündnisses haben am Freitag in der Innenstadt gegen Kapitalismus, soziale Missstände und Asylverschärfungen protestiert. Dabei kam es zu Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten. Polizisten setzten Pfefferspray ein. „Es ist mehr friedlich als unfriedlich,“ fasste eine Polizeisprecherin die Lage zusammen. Dennoch nahm die Polizei mehrere Teilnehmer wegen Landfriedensbruchs sowie Verstoßes gegen das Versammlungsrecht fest. Nach Polizeiangaben demonstrierten 450 Menschen, Blockupy sprach von 2000 Teilnehmern.

Kleinere Gruppen unterwegs

Ursprünglich waren Veranstaltungen an Potsdamer Platz und auf dem Gendarmenmarkt angemeldet. Doch Teilnehmer  zogen in kleineren Gruppen durch die Innenstadt. Einige blockierten die Wilhelmstraße, indem sie sich auf der Fahrbahn niederließen. Andere besetzten den Eingang des Bundesarbeitsministeriums. Mitglieder der Gewerkschaft Verdi beteiligten sich an den Protestaktionen genauso wie Linksautonome, Naturschützer sowie Anhängerinnen von Frauenbewegungen.

Die Polizei war mit knapp 1500 Beamten im Einsatz. Unterstützung für die Berliner Polizei kam aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen sowie von der Bundespolizei. 

An den Ministergärten nahe dem Potsdamer Platz warfen Demonstranten Steine auf Polizeibeamte. Zuvor waren Böller und bengalische Feuer gezündet worden. Im Hauptbahnhof ließen sich Kletterer vom Dach ab und entrollten ein Transparent mit der Aufschrift: „Gemeinsam kämpfen  gegen Rassismus und Sozialabbau“. Bundespolizisten entfernten das Transparent wieder. Auch im Einkaufszentrum Mall of Berlin in der Leipziger Straße war ein Plakat angebracht worden. Darauf stand: „Organisieren, Blockieren, Streiken – Das Leben ist zu kurz für Kapitalismus“. Wachleute des Einkaufszentrums rissen den Stoff herunter. 

Die Polizei sprach am Vormittag von einer unübersichtlichen Lage. Deshalb startete ein Hubschrauber, mit dem Übersichtsaufnahmen gefertigt und dem Einsatzleiter über Funk als Hilfsmittel zur Verfügung gestellt wurden. 

Am Nachmittag folgte eine zweite dezentrale Demonstrationswelle. Teilnehmer der Blockupy-Bewegung  trafen sich an der Rummelsburger Bucht in Treptow, um gemeinsam eine Bootsfahrt zu unternehmen. Später versammelten sich 200 Menschen  vor dem Roten Rathaus zu einer Kundgebung. Eine für den frühen Abend angekündigte Kissenschlacht im Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität (HU) fiel aus. Polizisten kontrollierten Taschen nach Kissen, fanden jedoch nach eigenen Angaben nichts.

Großdemo am Sonnabend

Die Aktionstage sollen auch am Sonnabend fortgeführt werden. Die Polizei rät Autofahrern, die Innenstadt weiträumig zu umfahren. Das Regierungsviertel wird erneut abgesperrt. Davon sind auch Busse und Straßenbahnen betroffen. Erst am Sonntag werde sich die Verkehrslage normalisieren, hieß es aus dem Polizeipräsidium.  

10.000 Teilnehmer werden bei einer Demonstration am Sonnabend unter dem Motto „Aufstehen gegen Rassismus“ erwartet, zu der die Naturfreunde Deutschland aufgerufen haben. Beginnen soll der Marsch  um 14 Uhr auf dem Adenauerplatz. Von dort geht es über Kurfürstendamm,  Schlüterstraße, Goethestraße, Tauentzienstraße, Wittenbergplatz, Kleiststraße, An der Urania bis zum Lützowplatz. Dort ist um 18 Uhr eine Kundgebung geplant.

Für den „Ausgleich des Haushalts und die Einführung  einer 100%-Steuer auf Mieten“ wollen 50 Teilnehmer in Friedrichshain demonstrieren. Sie treffen sich  um 14 Uhr in der Eldenaer Straße und laufen bis zur Proskauer Straße/Ecke Rigaer Straße.

Der Nationale Widerstandsrat  Iran-Deutschland hat um 16 Uhr zu einem Aufzug aufgerufen. Er soll am Pariser Platz beginnen, bis zum Bebelplatz führen und wieder am Brandenburger Tor enden. 1200 Teilnehmer werden erwartet. In Spandau wollen sich auf dem Reformationsplatz 20 Frauen und Männer um 11 Uhr treffen, um eine Stunde lang gegen Ausländerfeindlichkeit  zu demonstrieren.