Große Probleme im Bahnverkehr:  Züge fahren nicht mehr nach Berlin

Auf wichtigen Strecken des Regionalverkehrs müssen Fahrgäste ab Montag mehr Zeit einplanen. Als Gründe werden Krankmeldungen und fehlende Kapazität genannt.

Ein Regionalexpresszug der Ostdeutschen Eisenbahn hält im Berliner Hauptbahnhof.
Ein Regionalexpresszug der Ostdeutschen Eisenbahn hält im Berliner Hauptbahnhof.Emanuele Contini

Die Schwierigkeiten im Regionalverkehr spitzen sich zu. Die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) gab am Wochenende bekannt, dass weitere Zugfahrten gestrichen werden müssen. Für Pendler und andere Fahrgäste in Berlin und Brandenburg hat das zur Folge, dass sie zum Teil länger unterwegs sind und umsteigen müssen.

Betroffen ist unter anderem die stark frequentierte Regionalexpresslinie RE1, die Magdeburg, Brandenburg, Potsdam, Berlin und Frankfurt (Oder) miteinander verbindet. Wie berichtet verkehren die Verstärkerzüge bereits seit Donnerstag nicht mehr.

Die Züge mit 800 Sitzplätzen, die zwischen Brandenburg und Frankfurt montags bis freitags während der Hauptverkehrszeiten eigentlich das Angebot ergänzen sollen, fallen weiterhin aus, teilte die ODEG mit. Das Unternehmen hatte den Betrieb auf der Linie RE1 neben anderen Strecken im Netz Elbe-Spree von der Deutschen Bahn (DB) übernommen.

Zugangebot zum Flughafen BER wird ausgedünnt

Die ODEG teilte mit, dass von diesem Montag (19. Dezember) an aber auch weitere Strecken des Regionalverkehrs von Beeinträchtigungen betroffen sind. So beginnen und enden die Züge auf der Linie RE8 Nord, die von Wismar über Wittenberge Richtung Berlin führt, in der Regel in Nauen. Das bedeutet, dass die Fahrten zwischen Nauen, Berlin und dem Flughafen BER ausfallen, erläuterte der Zugbetreiber. Damit wird auch auf der Strecke zum Hauptstadt-Airport das Angebot im Regionalverkehr verringert.

Fahrgäste müssen umsteigen. „Bitte nutzen Sie von Nauen aus die Linien RB10/14 bzw. RE2 der DB Regio“, empfiehlt die ODEG den Reisenden. Damit sinkt auf der stark genutzten Verbindung zwischen dem Landkreis Havelland, auf der es keine S-Bahn-Strecke gibt, die Zahl der Fahrten pro Stunde und Richtung wieder von fünf auf vier.

Keine Fahrten mehr - oder nur noch ein Zweistundentakt

Probleme gibt es auch auf drei Regionalbahnlinien, die von der ODEG im Auftrag des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) betrieben werden. So fällt die RB33 auf dem Abschnitt zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog durchgehend aus, teilte das Unternehmen mit. Die Linie RB37 zwischen Berlin-Wannsee und Beelitz-Stadt wird statt im Ein-Stunden-Takt nur alle zwei Stunden befahren. Die Linie RB51, die Brandenburg und Rathenow verbindet, wird an diesem Sonntag bis zum Nachmittag nicht befahren. Danach fährt auch dort nur alle zwei Stunden ein Dieseltriebwagen, hieß es.

Auf der Linie  RE1 entfallen ebenfalls ab Montag auch die Züge mit den Nummern 73801 und 73804. Am Sonnabend waren sechs weitere Fahrten auf der Ost-West-Strecke gestrichen worden. Wegen Bauarbeiten in den Gleishallen des Ostbahnhofs seien am 19. und 20. Dezember weitere Einschränkungen zu erwarten, teilte der Betreiber weiter mit.

Ist die Belastung der Stadtbahn wirklich gestiegen?

Die ODEG bittet um Verständnis und entschuldigt sich bei den Fahrgästen. „Aufgrund des aktuell überlasteten Stadtbahnnetzes, angesichts einiger Baumaßnahmen, witterungsbedingter Störungen der Infrastruktur (zum Beispiel Weichen eingefroren) sowie eines durch den Winter hohen Krankenstandes unserer Eisenbahnerinnen und Eisenbahner fallen leider viele unserer Zugleistungen aus“, hieß es bei den Störungsmeldungen im Internet. Die Einschränkungen würden bis einschließlich 1. Januar 2023 gelten.

Von Krankmeldungen sind auch andere Unternehmen betroffen. So hat DB Regio aus diesem Grund die Linien RB24 und RB32 verkürzt. Die S-Bahn stellte den Betrieb auf den Linien S26 und S85 ein. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) halbieren das Angebot auf der Straßenbahnlinie 12 und gaben am Freitag weitere Einschränkungen bekannt. 

Wie berichtet hatten beim Fahrplanwechsel am dritten Adventssonntag im Regionalverkehrsnetz Elbe-Spree 17 Linien den Betreiber gewechselt. Die Umstellung war als größter Fahrplanwechsel seit Langem angepriesen worden. Tatsächlich gelang es, den Komfort durch den Einsatz fabrikneuer oder modernisierter Fahrzeuge zu erhöhen. Doch im Betrieb häuften sich bald die Probleme. Nachdem es anfangs nur kleine Pannen gegeben hatten, wuchsen sich die Störungen im Laufe der Woche immer weiter aus. Von der Linie RE1, aber auch von anderen Strecken wurden zum Teil große Verspätungen gemeldet. Die ODEG erklärt dies damit, dass die Stadtbahn, die von Osten nach Westen durch die Berliner Innenstadt führt, stark belastet ist.

Verspätungen bei den Fernzügen wirken sich auf die ODEG aus

„Uns wurde stets mitgeteilt, dass die Kapazität auch im Ostbahnhof ausreicht, dass das geplante Angebot fahrbar ist“, erklärte Lars Gehrke, Geschäftsführer Betrieb. Doch nun heiße es, dass die Strecke nicht die volle Kapazität bieten könne. Weitere Komplikationen ergeben sich Beobachtern zufolge dadurch, dass die Züge der RE6 in Charlottenburg in jeder Stunde fast 30 Minuten eines der vier Gleise blockieren, bevor sie zurückfahren.

Zudem würden sich die zunehmenden Verspätungen im Fernverkehr der DB negativ auf den Regionalverkehr auswirken, argumentierte das Unternehmen weiter. Am Mittwoch seien nur 42 Prozent der Fernzüge als pünktlich registriert worden.

Beobachter wiesen aber darauf hin, dass sich im Vergleich zur vergangenen Fahrplanperiode die Belastung der Stadtbahn aus Richtung Westen bis zum Bahnhof Friedrichstraße nicht geändert habe. Weiter in Richtung Ostkreuz sei die Zahl der Züge allerdings tatsächlich unterm Strich gestiegen. Die Arbeiten im Ostbahnhof, für die noch bis Dienstag zwei Gleise gesperrt seien, hätten in der Tat die Kapazität eingeschränkt.

Ein Brandenburger Bahnexperte sagte aber, dass die Berliner Stadtbahn rein technisch noch mehr Zugfahrten aufnehmen könne. „Auf die Stadtbahn passt alle drei Minuten ein Zug“, berichtete er. „Jetzt liegen wir bei zwölf Trassen pro Stunde im Maximum. Alle fünf Minuten ein Zug.“ Es gebe also sogar noch Reserven - eine Rechnung, die wiederum von DB-Insidern bestritten wird. Das Nadelöhr der Stadtbahn, die Station Alexanderplatz, würde einen so dichten Takt gar nicht zulassen. In der Tat sei die kürzest mögliche Zugfolgezeit auf dieser Strecke knapp fünf Minuten - nicht drei Minuten.

Der Brandenburger Bahnexperte bleibt bei seiner Rechnung: „Wenn die Disposition darauf Rücksicht nimmt und dann auch ein verspäteter ICE der DB mal warten muss, dann würden wir das schaffen.“ 


Empfehlungen aus dem Ticketshop: