Auf einem Firmengelände in Lichterfelde sind am Mittwochvormittag mehr als 900 Liter giftige Salpetersäure ausgelaufen. 15 Mitarbeiter des dort ansässigen Unternehmens wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht, wie die Berliner Feuerwehr auf Anfrage der Berliner Zeitung mitteilte. Insgesamt wurden 18 Menschen verletzt. Gegen Mittag waren 86 Einsatzkräfte in der Straße "Am Stichkanal".

Da die Säure ätzend auf Haut und Atemwege wirkt, rückten diese mit spezieller Chemie-Vollschutz-Kleidung an. "In diesen Anzügen gibt es nur begrenzt Luft", sagte ein Sprecher der Berliner Zeitung. Aus diesem Grund mussten abwechselnd Truppen eingesetzt werden. Am Nachmittag war die Feuerwehr nur noch mit 44 Kräften vor Ort, um die Säure zu entfernen.

Salpetersäure war auf die Straße gelaufen. Geringe Mengen gelangten auch in die Kanalisation. Die Wasserbetriebe wurden informiert. 

Keine Gefahr für Anwohner

Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. Alle Mitarbeiter des Unternehmens wurden zur Sicherheit auf einem Parkplatz notärztlich untersucht. Bislang bestehe keine Gefahr für die Anwohner, hieß es von der Feuerwehr. Um 11.29 Uhr war der Alarm eingegangen, gegen 13.30 Uhr waren die Dämpfe der Säure eingedämmt.

Von der Sperrung betroffen ist die Goertzallee in beiden Richtungen zwischen Appenzeller Straße und Wupperstraße. Die Buslinie 285 wird umgeleitet.

Wie genau es zum Austritt der Salpetersäure kam, ist noch unklar. Weiteres Auslaufen wurde durch ausgestreuten Sand verhindert. Wie lange der Einsatz noch andauern wird, konnte der Feuerwehr-Sprecher am Nachmittag noch nicht sagen.

Schweres Atemgift und Hautverätzungen

Erst vor zwei Wochen hatte es einen schweren Zwischenfall mit einem leckgeschlagenen Salpetersäure-Laster auf dem Rasthof Walsleben (Kreis Ostprignitz-Ruppin) an der A24 gegeben. Dabei wurden mehrere Feuerwehrleute verletzt. 

Salpetersäure (HNO3) wird unter anderem in der Industrie zur Reinigung von Flächen und Behältern verwendet. Dabei wird der gefährliche Stoff allerdings nur verdünnt eingesetzt. Auch zur Herstellung von Düngemitteln, Farbstoffen und Sprengstoffen wird die stark riechende Säure eingesetzt.

Auf der Haut kann die Mineralsäure schwer heilende Wunden verursachen. Im Kontakt mit anderen Stoffen kann Salpetersäure heftige Reaktionen auslösen. Bei Berührung mit brennbaren Stoffen besteht Feuergefahr. Organisches Material entzündet sich bei Kontakt mit Salpetersäure von selbst. Die dabei entstehenden nitrosen Gase wirken als schweres Atemgift. Flüssige Stoffe wie Aceton oder andere organische Lösungsmittel führen in der Reaktion mit Salpetersäure zu heftigen Explosionen. (mit dpa, kln)