Ein Rauhhaardackel und ein schwarzer Labrador.
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BerlinEs gibt wenige Momente im Leben, da hätte ich lieber einen kleinen Hund. Manchmal dehnen die Momente sich zu Stunden, zum Beispiel beim Autofahren. Denn Lotta steigt ungern ins Auto. Und weil sie längere Strecken halbwegs ruhig nur auf einem Menschenschoß erträgt, träume ich – in die Rolle als Hundeunterlage gezwängt – von Dackeln und Jack Russel Terriern.  

Nun kann man, wenn man sowieso schon nachdenkt, in Erwägung ziehen, dass sich unser Hund bewusst so verhält. Oder reflexhaft. Angeblich handeln Hunde eher instinktgetrieben. Lotta ist noch jung. Die Jugend kämpft, an die Zukunft denkend, gegen benzinbetriebene Pkw. Wäre Lotta ein kleiner Hund, würde sie andere Ausdrucksmöglichkeiten für ihren Unmut finden.

Raus aus der Stotterkiste

Sie könnte Übelkeit simulieren. Jüngere Lebewesen sind also um die Umwelt besorgt, ältere Autos dagegen machen Sorgen. Vor zwei Jahren hatten wir eine Panne, die die Familie zum Umstieg in einen Zug nötigte. Handtaschenhunde-Besitzer winken in solchen Fällen ein Taxi heran und lassen sich zum Bahnhof fahren. Für unsere Setterlabradorhündin sind wir auf eine Busstation in Werkstattnähe oder besonders gutwillige Taxifahrer angewiesen und müssen im Zug natürlich auch eine Fahrkarte kaufen.

Vor zwei Wochen war Lotta mit uns im Familienauto unterwegs in Richtung Norden. Das Gefährt begann hinter dem Linumer Bruch zu stottern und zu würgen, bis es nicht mehr weiterwollte. Die Vertreterin der für Hilfe in diesen Fällen zuständigen Organisation riet Menschen und Tier, das Auto zu verlassen und, bekleidet mit Gelbwesten, auf einen Gelben Engel zu warten. Die Hündin ließ sich zunächst auf dem Feld-, Wald- und Wiesenstreifen hinter der Leitplanke kaum bändigen, wollte – endlich raus aus der Stotterkiste – große Sprünge machen, musste aber sicherheitshalber angeleint bleiben.

Der gelbe Engel kam ohne Flügel

Mag sie das unsrige Auto als unangenehm empfinden, wir wissen, dass die anderen für sie viel gefährlicher sind. Lotta nutzte die Pause schließlich für ausgiebige Grabungsarbeiten. Offenbar hausen in Autobahnnähe besonders viele Mäuse. Ihre Gänge liegen jetzt offen. Der Engel kam nach anderthalb Stunden ohne Flügel, aber mit dem guten Willen, unser Auto wieder in Bewegung zu setzen. Ein Versuch zeigte allerdings, dass weder sein Werkzeug noch seine Freundlichkeit reichten.

Menschen und Hündin und Auto konnten nicht dort bleiben, wo sie waren, am Straßenrand bei Kilometer 223,5. Der Gelbengel nahm unser Auto huckepack und forderte Menschen und Hündin auf, in seine Fahrerkabine zu steigen. Oh, wie habe ich mir da gewünscht, dass Lotta klein und leicht wäre! Schon fällt es läuferisch oder bergsteigerisch trainierten Zweibeinern leichter als untrainierten, die hohen Treppenstufen des ADAC-Abschleppwagens zu erklimmen.

Den Hund (24 Kilo) hinaufzuhieven, erforderte außerdem vereinte Armkraft, gutes Zureden und hinterher eine Fusselbürste, um die unter Stress abgeworfenen Haare vom Beifahrersitz zu entfernen. Es war ein Sonntag, unser kaputtes Auto musste auf einem Werkstatthof übernachten, wir suchten uns ein hundefreundliches Hotel in Neuruppin. Dort, am Ruppiner See, kann man wunderbar spazieren gehen. Und das macht – nichts gegen Dackel und Jack Russel Terrier – mit einem großen Hund besonders viel Spaß.